Medikamente, Impfungen, Schnelltests

Neue Angebote in Apotheken – das soll sich ändern

Aktualisiert am 22.05.2026 – 10:46 UhrLesedauer: 3 Min.

In der Apotheke: Mit der Reform sollen dort mehr Leistungen zu bekommen sein. (Quelle: nortonrsx/getty-images-bilder)

Kerngeschäft von Apotheken sind heute immer noch Arzneimittel. Die Palette der möglichen Leistungen soll jetzt aber nochmals erweitert werden, um so auch die Praxen zu entlasten. Unumstritten ist das nicht.

In Apotheken gibt es schon jetzt nicht nur Medikamente. Künftig sollen sie Patientinnen und Patienten aber noch weitere Leistungen anbieten können – von Impfungen über Vorsorge bis zu mehr Arzneien auch ohne Rezept. Das sehen die Gesetzespläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vor, die der Bundestag heute beschließen soll.

Die neuen Möglichkeiten sollen das Netz der Apotheken auch auf dem Land absichern und die Versorgung generell breiter aufstellen. Von Ärzten kommt scharfer Protest.

Mehr Leistungen, aber kein Ersatz ärztlicher Begutachtungen

Für viele Menschen seien Apotheken bereits jetzt erste Anlaufstellen, wenn es um Gesundheitsfragen gehe, sagte Warken. Und diese Kontakte sollten nun noch stärker genutzt werden, um leicht zugängliche Angebote zu etablieren. Dabei gehe es aber nicht um komplexe Diagnosen oder einen Ersatz ärztlicher Begutachtungen. Weitere Ziele der Reform sind mehr Eigenverantwortung und Flexibilität für Apotheken, wie es im Entwurf heißt. Denn vor allem kleineren und ländlichen Apotheken machten Personalmangel und sinkende Wirtschaftlichkeit Probleme.

Apothekenzahl auf Rekord-Tief

Die Zahl der Apotheken sinkt seit Jahren und ging bis Ende März weiter auf 16.541 zurück – den niedrigsten Stand seit 1977. Mehr als 90 Prozent des Umsatzes kommen nach wie vor aus dem Kerngeschäft mit Arzneimitteln ohne und mit Rezept.

Ein Überblick über die vorgesehenen Neuregelungen:

Vorsorge

Apotheken sollen neue Leistungen zu Vorbeugung und Früherkennung anbieten können – etwa für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und rund ums Rauchen.

Impfungen

Neben Impfungen gegen Grippe und Corona sollen alle Schutzimpfungen mit sogenannten Totimpfstoffen in Apotheken angeboten werden können – also zum Beispiel auch gegen Tetanus oder Virusinfektionen, die Zecken übertragen (FSME). Totimpfstoffe sind Präparate mit abgetöteten Krankheitserregern oder Erreger-Bestandteilen. Sie lösen eine schwächere Immunantwort aus als Lebendimpfstoffe.

Schnelltests

Wie bei Corona-Tests in der Pandemie sollen Patienten selbst zu bezahlende Schnelltests zu bestimmten Erregern bekommen können – etwa auf Influenza-, Noro- oder Rotaviren. Das soll auch Infektionsketten schneller unterbrechen.

Medikamente

Apotheken sollen verschreibungspflichtige Präparate in bestimmten Fällen auch ohne ärztliche Verordnung abgeben können. Patienten müssen sie dann selbst bezahlen. Gehen soll das zum einen bei bekannten und schon seit längerem eingenommenen Medikamenten. Erlaubt werden soll die einmalige Abgabe der kleinsten Packung, wenn das Fortführen der Therapie keinen Aufschub erlaubt.

Erlaubt werden soll dies zum anderen bei „unkomplizierten Formen bestimmter akuter Erkrankungen“. Welche das sind und welche Vorgaben gelten, will das Ministerium noch festlegen. Tabu sein soll es aber für „systemische wirkende Antibiotika“ und Mittel mit hohem Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial.

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