Neue Regeln fürs Klassenzimmer

EU-Land erlaubt Lehrern Anwendung körperlicher Gewalt


11.10.2026 – 02:14 UhrLesedauer: 2 Min.

Ukrainische Schüler im Unterricht in Dänemark. (Symbolbild) (Quelle: IMAGO/Tim Kildeborg Jensen/imago)

Ein Gesetz in Dänemark soll Lehrern erlauben, auch physisch gegen Störenfriede im Unterricht vorzugehen. Experten warnen vor einer Eskalation.

Dänemark hat mit Gewalt in seinen Schulen zu kämpfen. Im vergangenen Jahr sagten in einer Umfrage des dänischen Arbeitsagentur 18 Prozent der Lehrer, sie seien Opfer von körperlichen Attacken geworden. Ab dem kommenden Jahr dürfen sie sich zur Wehr setzen, berichtet die französische „Le Monde“.

Die dänische Regierung hat am Donnerstag eine Reform beschlossen, die es Lehrern erstmals seit 1967 wieder erlauben soll, körperliche Gewalt anzuwenden. Bislang ist das nur möglich, wenn ein Schüler eine Gefahr für sich selbst, anderen gegenüber oder gegenüber Schuleinrichtungen darstellt. In Zukunft soll es Lehrern möglich sein, Schülern, die den Unterricht stören, auch mit körperlicher Gewalt aus dem Klassenzimmer zu entfernen, so „Le Monde“.

Die Regierung folgt damit Rufen der Lehrergewerkschaft, die schon seit Längerem Maßnahmen gegen Störenfriede fordert. Es sei zunehmend schwierig, Störer zu beruhigen oder mit Worten des Klassenzimmers zu verweisen, zitiert „Le Monde“ die Gewerkschaft.

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Festhalten und in einen anderen Raum bringen

Der Gesetzesentwurf würde es laut den Medienberichten Lehrkräften ermöglichen, körperlich einzugreifen, wenn ein Schüler andere belästigt oder beleidigt oder den Unterricht „erheblich“ stört. Lehrkräfte dürften einen Schüler „festhalten, an Ort und Stelle festhalten oder ihn gegen seinen Willen in einen anderen Raum bringen“, so „Le Monde“.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei einem Schulbesuch zu Halloween. In dem EU-Land werden Lehreren mehr Möglichkeiten bei aufsässigen Schülern eingeräumt. (Archivbild) (Quelle: IMAGO/René Schütze/imago)

Als Beispiele werden unter anderem genannt: „Wenn ein Schüler während des Hauswirtschaftsunterrichts mit Lebensmitteln wirft und trotz wiederholter Verwarnungen damit fortfährt oder sich weigert, den Raum zu verlassen, wenn er dazu aufgefordert wird.“ Auch lautes Musikhören darf so unterbunden werden. Die Anwendung von Gewalt dürfe aber nur in Ausnahmefällen geschehen und nicht erzieherische Maßnahmen ersetzen, sagte Bildungsminister Magnus Heunicke.

NGO befürchtet Verhalten wie Polizisten

Er begründete die Reform laut dem britischen „Telegraph“ wie folgt: „Lehrkräfte dürfen nicht im Unklaren darüber gelassen werden, was sie machen dürfen, wenn eine Situation eskaliert. Und keine Lehrkraft sollte befürchten müssen, entlassen zu werden, weil sie in einer gewalttätigen Situation bei Bedarf eingegriffen hat.“

Der Minister verwies auf eine Umfrage, nach der es in 55 Prozent der Klassen zu Gewalttaten zwischen Schülern gekommen ist. Die Vorfälle würden dreiviertel der Grundschulklassen betreffen. In der Umfrage sagten 43 Prozent der befragten Lehrer, dass eine Gesetzesänderung zur Gewaltanwendung sie besser auf zukünftige Auseinandersetzungen vorbereiten würde.

Ein ähnliches Gesetz war bereits 2025 geplant worden, wurde aber wegen der anstehenden Wahlen zurückgezogen. Damals hatten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Bildungsexperten davor gewarnt, dass es zu einer Eskalation in den Schulen kommen könne. Rasmus Kjeldahl, Leiter der Nichtregierungsorganisation Borns Vilkar (Nationaler Verband für Kinderrechte), äußerte laut „Le Monde“ die Befürchtung, dass „das Vertrauensverhältnis zwischen Schülern und ihren Lehrern zerstört wird, wenn Lehrer sich wie Polizisten verhalten“.

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