Gescheiterte Hinrichtung

Anwälte: Christa Pike befindet sich in kritischem Zustand


02.10.2026 – 05:15 UhrLesedauer: 2 Min.

Christa Pike 2004 auf einem Foto der Polizei (Archivbild). (Quelle: REUTERS/Tennessee Department of Correction/Handout )

Nach der gescheiterten Hinrichtung befindet sich die Todeskandidatin Christa Pike in kritischem Zustand. Ihre Anwälte wollen weitere Schritte einleiten.

Christa Pike befindet sich nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch laut ihren Anwälten in kritischem Zustand. Sie erhalte eine lebensrettende Behandlung, eine genaue Prognose für ihren Gesundheitszustand gebe es bislang nicht, sagte ihr Anwalt Randy Spivey bei einer Pressekonferenz. Die Verteidigung forderte Tennessees Gouverneur Bill Lee auf, Pikes Todesstrafe aufzuheben und sie stattdessen lebenslang in Haft zu lassen.

Anwälte berichten von Pannen bei Hinrichtung

Die Anwälte berichteten von zahlreichen Problemen während der versuchten Hinrichtung. Demnach dauerte es etwa eine Stunde, die intravenösen Zugänge zu legen. Allein an Pikes linkem Arm habe er sieben Einstiche gezählt, so Spivey. Eine der verwendeten Nadeln sei beim Herausziehen offenbar verbogen gewesen. Während der Verabreichung der Medikamente habe sich ihr rechter Arm zunehmend violett verfärbt. Inzwischen gebe es nach Angaben der Verteidigung Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen.

Spivey sagte zudem, er habe Pike nach der ersten Verabreichung noch sprechen und singen gehört. Die Anwälte kritisierten auch mangelnde Transparenz während des Ablaufs: Der Vorhang zum Zeugenraum sei über längere Zeit geschlossen gewesen, Informationen seien nur verzögert weitergegeben worden. Erst viel zu spät habe man erfahren, dass ein Krankenwagen unterwegs sei.

Fall Pike: „Grausam und qualvoll“

Die Verteidigung prüft nach eigenen Angaben weitere rechtliche Schritte. Zunächst solle sich Pike jedoch erholen und selbst mitentscheiden können, wie weiter vorgegangen werde. „Was gestern Abend passiert ist, war nicht nur ineffizient, sondern grausam und qualvoll“, sagte Spivey.

Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in Knoxville über längere Zeit misshandelt und schließlich getötet worden. Die heute 50-jährige Pike wäre die erste Frau seit mehr als 200 Jahren gewesen, die in Tennessee hingerichtet worden wäre.

UN fordert Abschaffung der Todesstrafe

Nach der fehlgeschlagenen Hinrichtung einer US-Todeskandidatin werden Rufe nach Abschaffung der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten laut. Nach Amnesty International forderte dies am Donnerstag auch UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk. Die verurteilte Mörderin Christa Pike hatte zwei Giftspritzen überlebt und lag nach Angaben ihrer Anwälte in einem lebensbedrohlichen Zustand im Krankenhaus.

Türk erklärte im Onlinedienst X, der Fall der 50-jährigen Pike mache deutlich, warum die Todesstrafe abgeschafft gehöre. „Das anhaltende körperliche und seelische Leiden durch mehrere gescheiterte Hinrichtungsversuche ist verabscheuungswürdig und grausam“, betonte der Österreicher. Er verlangte Gnade für Pike.

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