Umstrittene Fördermittelvergabe
Berlins Kultursenatorin bittet um Entlassung
Aktualisiert am 24.04.2026 – 10:30 UhrLesedauer: 2 Min.
Monatelang stand Berlins Kultursenatorin wegen der umstrittenen Vergabe von Fördermitteln für Projekte gegen Antisemitismus in der Kritik. Nun hat sie um Entlassung gebeten.
Die wegen fragwürdiger Vergabe von Fördermitteln gegen Antisemitismus kritisierte Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson möchte zurücktreten. Sie habe den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) um ihre Entlassung gebeten, teilte die parteilose Politikerin mit, nachdem der Berliner Landesrechnungshof die Förderung einer Reihe von Projekten in Millionenhöhe als rechtswidrig bewertet hatte.
Die in Großbritannien geborene Wedl-Wilson wurde im Mai 2025 als Senatorin ernannt, sie ist also noch kein Jahr im Amt. Vorgänger Joe Chialo (CDU) war zurückgetreten und hatte seinen Schritt mit dem Ausmaß damaliger Kürzungen im Kulturbereich begründet.
Der Berliner Landesrechnungshof hatte die Förderung einer Reihe von Projekten im Bereich der Antisemitismusprävention in Millionenhöhe als „evident rechtswidrig“ bewertet. In seinem Prüfbericht kam er zu der Einschätzung, die Kulturverwaltung habe mit ihren Verfahren zur Bearbeitung und Auszahlung bestimmter Förderanträge gegen die Landeshaushaltsordnung und andere Regeln verstoßen: „Die betreffenden Zuwendungsbescheide hätten auf dieser Grundlage nicht erlassen werden dürfen.“
Wedl-Wilson hatte die Mittel freigegeben. Nach Einschätzung des Rechnungshofs wurde die Auswahl der Projekte in der Kulturverwaltung willkürlich und nicht auf Basis nachvollziehbarer Kriterien getroffen. Für potenzielle andere Bewerber habe keine Chancengleichheit bestanden.
Die Senatsverwaltung habe außerdem kein geeignetes Verfahren zur Prüfung von Förderanträgen verbindlich festgelegt. Auch eine nachvollziehbare und belastbare fachlich-inhaltliche Prüfung der Förderanträge habe es nicht gegeben. Dabei ging es um 13 Projekte für 2025 in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro aus einem Etat der Kulturverwaltung für „Projekte von besonderer politischer Bedeutung“.
Sie standen auf einer Liste mit insgesamt 18 Projekten, für die sich vor allem die Berliner CDU-Fraktion bei der Kulturverwaltung starkgemacht hatte. Linke und Grüne hatten Wedl-Wilson und ihrem im Mai 2025 seinerseits zurückgetretenen Vorgänger Joe Chialo (CDU) vorgeworfen, dem unzulässigen Druck von CDU-Abgeordneten nachgegeben zu haben. Ein Untersuchungsausschuss beschäftigt sich seit Dezember mit den Vorwürfen.










