Erzwungener Führungswechsel
Bafin setzt Privatbankchefs vor die Tür
19.06.2026 – 18:14 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Bafin hat bei der Privatbank Berenberg zur schärfsten personellen Maßnahme gegriffen: Das komplette Führungstrio wurde abgelöst. Auslöser waren undurchsichtige Markttransaktionen.
Die Finanzaufsicht Bafin hat bei der traditionsreichen Hamburger Privatbank Berenberg einen Führungswechsel erzwungen und zwei Sonderbeauftragte als neue Chefs eingesetzt. Einer von ihnen ist der langjährige Berenberg-Chef Hans-Walter Peters, der 2021 in den Ruhestand gegangen war, wie das Institut am Freitag mitteilte. Der zweite Sonderbeauftragte ist Michael Horf, früher Vorstand der Degussa Bank.
Sie ersetzen das Führungstrio aus Hendrik Rehmer (seit 2008), David Mortlock und Christian Kühn (beide seit 2020), die als persönliche haftende Gesellschafter fungierten. Ihre Befugnisse als Mitglieder der Geschäftsleitung ruhten derzeit, bestätigte ein Bafin-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters.
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Berenberg-Führung verstieß wohl gegen Grundsätze guter Unternehmensführung
Grund für die Entsendung der beiden Sonderbeauftragten seien Hinweise auf mögliche Verstöße gegen die Grundsätze guter Unternehmensführung (Corporate Governance), die während der Prüfung des Jahresabschlusses für 2025 aufgetaucht seien, teilte Berenberg mit. „Dies betraf insbesondere bestimmte Markttransaktionen, bei deren Aufklärung die nötige Transparenz fehlte.“ Peters betonte, das Kundengeschäft sei davon nicht berührt gewesen, Kunden seien nicht geschädigt worden. „Dieser Schritt ist nötig, da für Berenberg Integrität einen zentralen Wert darstellt.“

Das Geschäftsmodell stehe nicht in Frage, es habe sich über Jahrzehnte bewährt, sagte Horf. Unter Riehmer hatte Berenberg vor allem das Innvestmentbanking auch im Ausland ausgebaut und sich mit Börsengängen und Aktienplatzierungen profiliert.
Berenberg kann mit Gewinn rechnen
Finanziell attestierte Peters Berenberg Stabilität. Für das abgelaufene Jahr sei mit einem
Gewinn in der Größenordnung von 20 Millionen Euro zu
rechnen. 2024 waren es allerdings noch 81,6 Millionen. Das erste Halbjahr 2026 werde die Bank mit einem Ergebnis von rund 40 Millionen Euro abschließen, sagte Peters.
Die Ersetzung des Bankvorstands durch einen Sonderbeauftragten ist die schärfste personelle Maßnahme, die die Bafin treffen kann. Im vergangenen Jahre hatte sie zwar acht Sonderbeauftragte in deutsche Banken entsendet, die meisten von ihnen allerdings nur mit dem Auftrag, Maßnahmen der Bafin dort zu überwachen. Zuletzt hatten zwei Sonderbeauftragte – einer von ihnen Horf – bei der Volksbank Düsseldorf-Neuss für 15 Monate den Vorstand ersetzt, nachdem die Bank in mehrere Skandale verwickelt war.











