Sicherungsverwahrung nach der Haft
Arzt tötet viele Patienten: Gericht verkündet Urteil
Aktualisiert am 08.07.2026 – 14:07 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Jahr nach Prozessstart fällt das Urteil – und es könnte härter nicht sein. Ein Mediziner erhält eine lebenslange Haftstrafe.
Der Palliativarzt Johannes M. ist wegen 15-fachen Mordes von Patienten zur Höchststrafe verurteilt worden. Das Landgericht Berlin verhängte am Mittwoch gegen den 41-jährigen Deutschen eine lebenslange Freiheitsstrafe und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Zudem wurde eine Sicherungsverwahrung nach der Haftstrafe angeordnet und ein lebenslanges Berufsverbot verhängt.
Nach Überzeugung des Landgerichts Berlin hat der Mediziner von 2021 bis 2024 zwölf Frauen und drei Männern jeweils ein tödliches Gemisch verschiedener Medikamente verabreicht. Jüngstes Opfer ist eine 25-Jährige, ältestes eine 94 Jahre alte Frau. Alle waren schwerstkrank, ihr Tod stand aber nicht unmittelbar bevor.
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M. hatte zuvor zwölf der ihm vorgeworfenen Taten in einer gut 30-minütigen Erklärung eingeräumt. „Ich bin erst jetzt in der Lage, mein Handeln zu erklären und übernehme die Verantwortung für meine Taten“, sagte der Angeklagte. „Ich entschuldige mich für das viele Leid, das ich über Sie gebracht habe.“
Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten „Leid und Siechtum“ zu ersparen. „Nach jeder Tat dachte ich: Das muss aufhören“, erklärte der Angeklagte. Er habe sich für sein Handeln gehasst. „Ich weiß, dass ich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werde. Vielleicht ist das ein Trost für die Angehörigen.“
Staatsanwaltschaft ermittelt in 76 weiteren Fällen
Mehrfach konnten Opfer von Rettungskräften zunächst reanimiert werden, bevor sie später starben. An einem Tag tötete der Arzt nach Überzeugung des Gerichts vormittags einen 75 Jahre alten Mann in dessen Wohnung und wenige Stunden später eine 76 Jahre alte Frau in ihrem Zuhause.
Vor Gericht wurden zunächst 15 Fälle verhandelt, es könnte aber noch viel mehr Opfer geben: Die Ermittlungen laufen in derzeit 76 Fällen weiter, wie es von der Staatsanwaltschaft heißt. In diesem Rahmen ist Ende April auch eine weitere Exhumierung erfolgt. Die Staatsanwaltschaft geht von einer weiteren Anklage noch in diesem Jahr aus. Mit Blick darauf kündigte der Arzt in seinem sogenannten letzten Wort vor Gericht an: „Ich werde mich in dem kommenden Verfahren deutlich früher einlassen.“
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Der Arzt, der verheiratet ist und einen Sohn im Grundschulalter hat, sitzt seit Anfang August 2024 in Untersuchungshaft. Auslöser der Ermittlungen waren Brände, die er gelegt haben soll, um Tötungen von Patienten zu verdecken. Zunächst wurde wegen Brandstiftung mit Todesfolge ermittelt. Dabei geriet der Angeklagte zunehmend in den Fokus. Dazu beigetragen haben laut Staatsanwaltschaft Hinweise des Pflegedienstes, für den der Beschuldigte gearbeitet hatte.
