Teure Reparaturen

Versicherer warnt vor „Scheinwerfer-Falle“


27.07.2026 – 12:47 UhrLesedauer: 2 Min.

Schaden nach einem Frontalunfall: Bei Scheinwerfern wird die Reparatur teuer. (Quelle: Nikola Obradovic/imago)

Autos werden technisch immer aufwendiger. Das macht selbst kleine Unfallschäden teuer. Ein Versicherer nennt ein besonders drastisches Beispiel und stellt Forderungen.

Ein kleiner Parkrempler, ein Riss im Scheinwerfer – und plötzlich kostet die Reparatur mehrere Tausend Euro: Moderne LED- und Matrix-Scheinwerfer gehören bei Unfallschäden inzwischen zu den größten Kostentreibern. Ein Versicherer fordert deshalb ein Umdenken.

Nach Daten des Garantieversicherers CarGarantie kostet ein Werkstattaufenthalt inzwischen durchschnittlich 760 Euro – 46 Euro mehr als noch im Vorjahr. Seit 2016 sind die Reparaturkosten um mehr als 50 Prozent gestiegen. Neben höheren Stundenlöhnen verteuern vor allem steigende Ersatzteilpreise und immer komplexere Fahrzeugtechnik die Rechnungen.

Kosten stiegen um 77 Prozent

Ein Beispiel dafür sind moderne Autoscheinwerfer. Nach Angaben des Allianz Zentrums für Technik (AZT) werden in Deutschland jedes Jahr rund 870.000 Scheinwerfer beschädigt. Während ein Frontscheinwerfer 2015 im Durchschnitt noch 708 Euro kostete, sind es heute bereits 1.251 Euro – ein Anstieg um 77 Prozent. Besonders aufwendige Modelle mit Matrix-LED- oder Lasertechnik kosten laut Allianz sogar bis zu 6.700 Euro.

Der Grund: Moderne Scheinwerfer enthalten Steuergeräte, Sensoren und adaptive Lichtsysteme, die das Fernlicht automatisch regeln oder Kurven ausleuchten. Dadurch steigen nicht nur die Ersatzteilpreise, sondern auch der Austausch ist oft deutlich aufwendiger als früher. Bei vielen Fahrzeugen müssen zunächst Stoßfänger oder Teile der Fahrzeugfront demontiert werden, bevor ein neuer Scheinwerfer eingebaut werden kann. Je nach Modell kommen anschließend weitere Arbeiten hinzu, etwa die erneute Kalibrierung der Sensorik. Ohne sie können Assistenzsysteme fehlerhaft arbeiten. Im Extremfall kann das auch bei der Hauptuntersuchung Probleme bereiten.

Nach Ansicht der Allianz ließen sich viele dieser Kosten vermeiden. Zwar dürfen in Deutschland beschädigte Halterungen von Scheinwerfern häufig repariert werden. Gehäuse, Elektronik oder Kunststoffscheiben sehen viele Hersteller dagegen nicht als einzelne Ersatzteile vor. Selbst kleinere Schäden führen deshalb oft dazu, dass der komplette Scheinwerfer ersetzt werden muss.

Versicherer fordert Umdenken

„Das ist, als würde man einen teuren Anzug wegen eines fehlenden Knopfs wegwerfen“, kritisiert AZT-Leiter Christian Sahr in der „Automobilwoche“. In Ländern wie Frankreich oder Dänemark seien weitergehende Reparaturen bereits möglich, während in Deutschland Vorgaben bei der Zulassung und die Praxis vieler Hersteller solche Lösungen erschwerten.

Autowerkstatt in Mülheim: Freie Werkstätten sind in der Regel günstiger. (Quelle: Gerd Wallhorn/imago)

Die Allianz fordert deshalb, dass Hersteller ihre Scheinwerfer reparaturfreundlicher konstruieren. Gehäuse, Elektronik, Halter oder Klarglasabdeckungen sollten einzeln austauschbar sein. Als Beispiel nennt der Versicherer Toyota. Dort lassen sich nach Angaben des AZT mehrere Komponenten separat ersetzen, ohne den kompletten Scheinwerfer austauschen zu müssen. Nach Einschätzung der Allianz senke das nicht nur die Reparaturkosten. Auch die Umwelt könnte profitieren.

So können Autofahrer Werkstattkosten senken

Steigende Reparaturkosten lassen sich nicht immer vermeiden. Sie können aber Ihre Rechnung oftmals senken: Fragen Sie gezielt nach Ersatzteilen aus dem freien Teilehandel. Sie stammen häufig von denselben Zulieferern wie Originalteile, sind aber oftmals günstiger.

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