„Antisemitismus ist normal geworden“

Lehrer: Kölner Juden denken vereinzelt über Wegzug nach

25.09.2026 – 07:43 UhrLesedauer: 1 Min.

Abraham Lehrer, Vorstand der Kölner Synagogen-Gemeinde und Vize-Präsident des Zentralrats der Juden: Er beklagt fehlende Unterstützung. (Quelle: IMAGO/Christian Ditsch/imago)

Abraham Lehrer warnt vor wachsender Verunsicherung unter Jüdinnen und Juden in Köln und Deutschland. Antisemitismus würde kaum noch Menschen zu Protesten bewegen.

Abraham Lehrer, Vorstand der Kölner Synagogen-Gemeinde und Vize-Präsident des Zentralrats der Juden, hat vor einer wachsenden Verunsicherung unter Jüdinnen und Juden gewarnt. Auch in seiner Gemeinde in Köln hätten sich einzelne Familien entschieden, Deutschland zu verlassen, sagte Lehrer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Andere beschäftigten sich ebenfalls mit diesem Gedanken. Es gebe zwar keine Auswanderungswelle wie in Frankreich, sagte Lehrer. Viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde dächten aber über einen „Plan B“ nach.

Auslöser dafür sind nach seinen Angaben auch die jüngsten Wahlergebnisse in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Lehrer sagte, ihn erschrecke vor allem, dass die gesellschaftliche Mitte die Sorgen und Ängste jüdischer Menschen aus seiner Sicht nicht ausreichend wahrnehme.

Kölner Synagogen-Gemeinde: Lehrer vermisst öffentliche Solidarität

Zugleich beklagte Lehrer fehlende Unterstützung. Antisemitismus sei aus seiner Sicht inzwischen so normal geworden, dass er kaum noch Menschen zu öffentlichen Protesten bewege. Besonders problematisch finde er, dass sich viele Menschen „wegducken“.

Dabei sieht Lehrer Gefahren aus unterschiedlichen politischen Richtungen. Er verwies einerseits auf das Abschneiden der AfD und warf der Partei geschichtsrevisionistische Positionen sowie eine Ablehnung der bisherigen Erinnerungskultur vor.

Andererseits kritisierte er die Berliner Linke. Bei deren Wahlfeier sei nach seinen Angaben ein „Hamas-Vertreter“ anwesend gewesen. Lehrer sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Ich weiß nicht, vor wem ich mehr Angst haben soll.“

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