Ausland blickt auf Friedrich Merz
„Niemand glaubt, dass er sich halten kann“
Aktualisiert am 21.09.2026 – 09:02 UhrLesedauer: 3 Min.
Player wird geladen
Auch im Ausland werden die Erschütterungen der Landtagswahlen registriert. Dort hält man Friedrich Merz für kaum noch tragbar. Dennoch glauben viele nicht an einen baldigen Kanzlersturz.
Nach diesem Sonntag liegt die CDU am Boden. In gleich zwei Landtagswahlen fährt die Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz herbe Niederlagen ein, während die in Teilen rechtsextreme AfD und die Linke reüssieren. Besonders dramatisch ist für die Christdemokraten der verpasste Einzug in den Landtag in Mecklenburg-Vorpommern, eine historische Zäsur. So etwas hat es in der Partei noch nie zuvor gegeben. Der 70-jährige Merz verliert immer mehr an Rückhalt – nicht nur in der Bevölkerung.
Bei einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Wahlen für das ZDF sagten am Sonntag nur ein Prozent der Bevölkerung, Kanzler Merz sei für das Abschneiden bei den Wahlen hilfreich gewesen. Und selbst unter den Anhängern seiner eigenen Partei fiel dieses Ergebnis nicht besser aus. 80 Prozent der Bevölkerung halten Merz sogar für „schädlich“ für das Abschneiden der CDU. Immerhin 70 Prozent der CDU-Anhänger sagen dasselbe.
Diese Entwicklung wird auch im Ausland genau beobachtet. Viele Medien kommentieren die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und blicken dabei vor allem auf die Zukunft des politisch schwer angeschlagenen Kanzlers.
Frankreich
„Libération“: „Kann Merz nach dem Erdbeben in Sachsen-Anhalt am 6. September das Nachbeben dieses Wochenendes überleben? (…) Ein ‚Desaster‘ laut Merz selbst, der kurz das Wort ergriffen hat. Er will von einem Rücktritt nichts hören und sieht vor, seine Reformen durchzusetzen, die genauso unbeliebt sind wie er. (…) Dabei glaubt niemand, dass er sich bis zum Ende seiner Amtszeit halten kann. Am Ende könnte Merz von mangelndem Verlangen nach dem Job gerettet werden. Man drängelt sich nicht, um seine ‚Reformen des Sozialstaats‘ durchzusetzen. Kanzler Deutschlands zu sein kommt derzeit einem angekündigten Selbstmord gleich. (…)“
Großbritannien
„The Telegraph“: „Der mitte-rechts stehende CDU-Vorsitzende ist wegen seines Versagens, die angeschlagene deutsche Wirtschaft zu reformieren und den Aufstieg der AfD einzudämmen, unter Rücktrittsdruck geraten. Mit einer Zustimmungsquote von nur zehn Prozent ist er bei den Wählern und seinen eigenen Parteimitgliedern, die ihn als realitätsfern, unsensibel und arrogant bezeichnen, äußerst unbeliebt.“
„The Sunday Times“: „Bundeskanzler Merz steht mit dem Rücken zur Wand, könnte aber mangels eines klaren Rivalen überleben (…) Das liegt teilweise daran, dass Merz nach wie vor keinerlei Neigung zeigt, zurückzutreten. Es liegt aber auch daran, dass es keinen überragend überzeugenden Kandidaten gibt, der ihn ersetzen könnte. (…) Merz ist noch lange nicht über den Berg und bleibt höchst anfällig für eine Herausforderung – könnte aber aufgrund des Mangels an ernstzunehmenden Herausforderern noch verschont bleiben.“