Schlimmstes Halbjahr seit 2013
Pleitewelle rollt – Zahl der Insolvenzen steigt deutlich
Aktualisiert am 11.09.2026 – 15:43 UhrLesedauer: 3 Min.
Mehr als 12.800 Insolvenzen von Unternehmen haben die Amtsgerichte im ersten Halbjahr registriert. An dem Negativtrend wird sich so schnell nichts ändern, sagen Experten.
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im Juni wieder deutlich gestiegen, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Zur Jahresmitte gab es demnach 12.812 Fälle von zahlungsunfähigen Firmen – der höchste Wert für ein erstes Halbjahr seit 2013. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das eine Steigerung von 6,7 Prozent.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht in der Entwicklung ein Warnsignal an die Koalition. Sie dürfe jetzt nicht von ihrem Reformkurs abweichen, sagt DIHK-Mittelstandsexperte Marc Evers. „Um von den Insolvenzrekorden wegzukommen, brauchen wir eine schnelle Umsetzung der vereinbarten Reformen und insgesamt eine Wirtschaftspolitik, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wieder in den Fokus rückt.“
Nach einer leichten Entspannung im Mai haben die Amtsgerichte im Juni 2.266 Anträge auf Unternehmensinsolvenzen registriert und damit 15,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Laut IHK ist das der höchste Monatswert seit 2014. Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen legte zu und stieg im Juni um 5,1 Prozent auf 6.839 Fälle.
Kleinere Forderungen
Die Forderungen der Gläubiger beliefen sich in den ersten sechs Monaten auf rund 18,5 Milliarden Euro nach 28,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das bedeutet, dass im laufenden Jahr kleinere Verfahren angemeldet werden.
Die Insolvenz trifft Unternehmen in allen Branchen. Bezogen auf 10.000 Unternehmen wurden im ersten Halbjahr 36,2 zahlungsunfähig. Besonders häufig waren Unternehmensinsolvenzen im Bereich Verkehr und Lagerei (71,6 Fälle auf 10.000 Betriebe) sowie im Gast- und Baugewerbe (59,6 und 53,4 Fälle).
Keine Besserung in Sicht
Die deutsche Wirtschaft wird seit längerem von einer Pleitewelle erschüttert. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen laut Statistischem Bundesamt um gut zehn Prozent auf 24.064 – der höchste Stand seit 2014. Schon 2023 und 2024 war die Zahl der Firmenpleiten je um mehr als 20 Prozent gewachsen.

Auf der anderen Seite gründen mehr Menschen ein eigenes Unternehmen. Nach einer Auswertung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres rund 143.000 gewerbliche Existenzgründungen registriert. Das waren rund 11.000 mehr als zwei Jahre zuvor. Den Gründungen standen rund 127.000 Schließungen gegenüber. „Wir haben trotz der schwachen Konjunktur einen positiven Trend. Auch weil das Risiko von Arbeitslosigkeit steigt, wagen mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit“, sagte IfM-Gründungsexperte Peter Kranzusch.
Eine Besserung der Lage bei den Firmenpleiten ist aber nicht in Sicht. Das geht aus Zahlen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor, das mit einem etwas anderen Ansatz bereits eine Hochrechnung für Insolvenzen von Kapital- und Personengesellschaften bis einschließlich August vorgelegt hat.