„Ich schäme mich“
Sternekoch Max Strohe spricht über Michelin-Frust
26.06.2026 – 15:28 UhrLesedauer: 2 Min.
Das Berliner „Tulus Lotrek“ hat seinen Michelin-Stern gehalten. Doch im Podcast erzählt Max Strohe, warum ihn der verpasste zweite Stern trotzdem tief getroffen hat.
Eigentlich wäre es eine Erfolgsmeldung: Das Berliner Restaurant „Tulus Lotrek“ hat seinen Michelin-Stern verteidigt. Für viele Häuser wäre das ein Grund zum Feiern. Bei Sternekoch Max Strohe überwog jedoch ein anderes Gefühl: Scham.
In seinem Podcast „Tulus – Die Geschichte eines Restaurants“, den Strohe gemeinsam mit Mitinhaberin Ilona Scholl betreibt, spricht der Koch offen über die Tage vor der Michelin-Gala. Er habe auf ein Zeichen gewartet: einen Anruf, eine Mail, eine Einladung. Denn eine Einladung zur Gala gilt in der Branche als Hinweis auf eine mögliche Aufwertung.
Strohe war zu der Zeit in Paris. Er habe sich abzulenken versucht, Sterne-Restaurants besucht – und doch immer wieder auf sein Handy geschaut. Kam noch eine Einladung? Je näher die Gala rückte, desto klarer wurde ihm: Der zweite Stern bleibt wohl aus.
„Tulus Lotrek“ bleibt bei einem Stern
Im Podcast beschreibt Strohe diesen Moment drastisch. Irgendwann sei ihm klar gewesen: „Da ist die Hoffnung dann verreckt.“
Kurz darauf spielen Strohe und Scholl eine Sprachnachricht aus jener Zeit ab. Darin sagt Strohe, die Situation mache ihn traurig. „Ich schäme mich ein bisschen.“ Er habe sogar daran gedacht, in den Laden zu fahren und seinem Team zu sagen, es tue ihm leid. Er sei „so ein schlechter Koch“. Scholl widerspricht im Podcast deutlich: Strohe habe niemanden enttäuscht.

Der Guide Michelin ist für Spitzenrestaurants weit mehr als ein Restaurantführer. Im Podcast beschreiben Strohe und Scholl ihn als mächtige Instanz. Die Tester kommen anonym, die Kriterien sind bekannt. Doch direktes Feedback gibt es nicht. Restaurants erfahren, ob sie ausgezeichnet werden – aber kaum, warum.
Michelin-Sterne als „Währungssystem“
Michelin-Sterne sind in der Spitzengastronomie eine eigene Währung. Sie bringen Prestige, internationale Sichtbarkeit und volle Reservierungsbücher. Der Guide bewertet Produktqualität, Technik, Harmonie der Aromen, Persönlichkeit der Küche und Beständigkeit. Vor allem zählt Konstanz: Ein Restaurant muss nicht einmal glänzen, sondern dauerhaft.









