Gleichzeitig sei eine innovative, nachhaltige Wirtschaft, die als Chance begriffen werde, notwendig. Doch die Grünen, betont sie, könnten den Weg nicht eins zu eins vorgeben, man müsse ihn gemeinsam finden. „Wir sind nicht die Lehrer dieses Landes. Wir sind im besten Fall Übersetzer“, sagt Brantner.
Banaszak: Arena des Kulturkampfs verlassen
Sie wirbt für Bürokratieabbau à la Özdemir und macht deutlich, dass sie das Image der grünen Verbotspartei endgültig loswerden will. „Freiheitliche Politik kann nicht alle Wege vorzeigen, nicht jeden Schritt vorschreiben, sondern vertraut darauf, dass die Bürgerinnen und Bürger den besten Weg finden, wenn die Bedingungen denn stimmen.“ Brantner spart nicht mit Kritik an der eigenen Partei. Ihre Rede ist ein Appell an die Eigenverantwortung und ein Abgesang auf grüne Vorschreiberitis.
Die Baden-Württembergerin steht hinter dem Pult auf der Bühne, hat ein Manuskript vor sich, trägt vor, gestikuliert hin und wieder mit den Händen. Am Ende ihrer Rede bekommt sie viel Applaus. Am nächsten Morgen betritt ihr Co-Parteichef Banaszak die Bühne – und macht alles anders als sie, zumindest in Stil und Ton. Der Parteilinke redet frei, wird oft lauter, läuft auf der Bühne herum und bedient sich bei Goethe. Hinter dem Pult steht Banaszak zu keinem Zeitpunkt, immer wieder werden stattdessen Bilder und kleine Videos eingespielt. Auch er bekommt viel Applaus, einige Gäste stehen am Ende sogar zum Klatschen auf.
Der Grünen-Chef spricht von der „Lücke zwischen dem, was wir als Gesellschaft, als Menschen doch eigentlich alles erreichen können, um Gutes zu bewirken“ und dem, was am Ende realpolitisch passiere. Er beobachtet einen Vertrauensverlust in die Politik, eine Veränderungsmüdigkeit, einen „Status quo“, der nicht mehr trage. Banaszak macht dafür offensiv auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verantwortlich und tritt für eine Erneuerung ein. „Erneuerung heißt, den Kern, den guten Kern zu erhalten und gleichzeitig anzuerkennen, dass sich vieles ändern muss, wenn sich die Parameter geändert haben“, sagt er.
Dabei fordert er ähnlich wie Brantner auch die eigene Partei heraus. Sie müsse die „Arena des Kulturkampfs“ verlassen. Die Grünen müssten über den Tellerrand blicken, damit „demokratische, progressive, fortschrittliche, gerechte, soziale Politik wieder einen größeren Raum in diesem Land“ habe, sagt er. Grün könne nur wieder die „Farbe der Zukunftshoffnung in diesem Land“ werden, wenn man Probleme mit mehr Pragmatismus und Wohlwollen angehe.










