Bund plant Milliarden für Zivilschutz
Krieg, Krise, Ernstfall: Hamburgs Schutz hat Lücken
27.05.2026 – 15:40 UhrLesedauer: 3 Min.
Zehn Milliarden Euro will der Bund bis 2029 in den Bevölkerungsschutz investieren. Für Hamburg bedeutet das: Umbau statt Aufrüstung.
Die Bundesregierung stellt den Bevölkerungsschutz neu auf. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat im Kabinett Eckpunkte für ein Sonderprogramm vorgelegt: Bis 2029 sollen rund zehn Milliarden Euro in den Zivil- und Bevölkerungsschutz fließen. Was bedeutet das für Hamburg? Die Stadt hat mehr öffentliche Schutzräume als jede andere Großstadt in Deutschland – und trotzdem ist die Lage ernüchternd.
Nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sind in Hamburg noch 33 öffentliche Schutzräume mit insgesamt 33.618 Plätzen formal dem Zivilschutz gewidmet. Das teilte die Behörde auf Anfrage der t-online-Redaktion mit. Darunter drei Bahnhofsbereiche mit zusammen mehr als 25.000 Plätzen, 14 Tiefbunker und ein Stollen. Damit liegt Hamburg weit vor allen anderen von t-online angefragten Städten.
Doch einsatzbereit ist keine einzige dieser Anlagen. Wartung und technische Instandhaltung wurden 2007 bundesweit eingestellt.
Unter der Reeperbahn: Bunker für Tausende
Was hinter der Zahl steckt, zeigt ein Blick auf konkrete Anlagen. Der S-Bahnhof Stadthausbrücke wurde ab Mitte der 1970er-Jahre als sogenannte Mehrzweckanlage ausgebaut: Der Bahnsteig selbst sollte im Ernstfall als Aufenthaltsraum dienen, Züge auf den Gleisen als zusätzliche Sitzräume – Kapazität rund 4.500 Menschen.

Am Steintorwall, direkt am Hauptbahnhof, steht ein Tiefbunker, der 1941 bis 1943 als Luftschutzanlage gebaut und 1969 als Zivilschutzraum für 2.702 Menschen abgenommen wurde. Und unter der Reeperbahn: eine ab 1979 ausgebaute unterirdische Schutzanlage mit ausgeprägter Bunkerinfrastruktur.
Alle drei Anlagen sind heute nicht einsatzbereit. Die technische Ausstattung wurde seit 2007 nicht mehr gewartet. Was reaktiviert werden könnte – und zu welchem Preis – ist offen.
Hamburg rüstet trotzdem auf
Hamburg hat seine Strukturen für Krisenfälle schon vor dem neuen Bundesprogramm verändert. Seit 2024 gibt es in der Innenbehörde eine eigene Abteilung für Krisenbewältigung und Bevölkerungsschutz. Rund 45 Mitarbeiter arbeiten dort in fünf Bereichen – von strategischer Planung über kritische Infrastruktur und Cybersicherheit bis zur zivil-militärischen Zusammenarbeit.
- Zivilschutz in Hamburg: Im Ernstfall hat Hamburg ein Problem
Damit ist Hamburg organisatorisch weiter als manche andere Stadt. Das ändert aber nichts am zentralen Problem der alten Schutzräume: Welche Anlagen sich tatsächlich reaktivieren lassen, zu welchem Preis und in welchem Zeitraum, bleibt offen.











