Rätsel um tödlichen Tauchgang
„Irgendwas muss dort unten passiert sein“
Aktualisiert am 19.05.2026 – 12:19 UhrLesedauer: 4 Min.
Fünf italienische Taucher sterben in einer Unterwasserhöhle auf den Malediven. Das Unglück wirft zahlreiche Fragen auf.
Das Tauchen in Höhlen gilt als besonders gefährlich. Anders als beim normalen Freizeittauchen gibt es bei Problemen etwa keinen direkten Weg zur Oberfläche, auch kann man schnell die Orientierung verlieren. Um in Höhlen zu tauchen, benötigt es spezielles Training und Ausrüstung – vor allem bei Tiefen über 30 Metern. Auch deshalb wirft das Unglück auf den Malediven, bei dem fünf italienische Taucher ums Leben gekommen sind, zahlreiche Fragen auf.
Die Gruppe war am vergangenen Donnerstag nahe der Insel Alimathaa südlich der Hauptstadt Malé in ein weitverzweigtes Höhlensystem abgetaucht. Das Unglück ereignete sich am Tauchspot „Devana Kandu“ im Vaavu-Atoll. Unter den Toten befinden sich laut italienischen Medienberichten die Ökologie-Professorin Monica Montefalcone von der Universität Genua, ihre 22-jährige Tochter Giorgia Sommacal, die Forschungsassistentin Muriel Oddenino, der Meeresbiologe Federico Gualtieri sowie Tauchlehrer Gianluca Benedetti vom Tauchboot „Duke of York“. Nur Benedettis Leichnam konnte bislang geborgen werden. Die übrigen vier Opfer sollen am Montag tief im Höhlensystem lokalisiert worden sein.
Nach Angaben der Universität Genua befanden sich einige Personen der Gruppe zwar auf einer wissenschaftlichen Reise zur Untersuchung von Meeresökosystemen. Der Tauchgang soll aber nicht zu Studienzwecken erfolgt sein, sondern privater Natur gewesen sein. Die Taucher waren nach Angaben der australischen ABC gemeinsam mit rund 20 weiteren Passagieren auf einem einwöchigen Trip auf dem Tauchboot unterwegs.
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Offenbar Sicherheitsregeln missachtet
Der Fall gibt Rätsel auf. Denn nach Angaben des maledivischen Regierungssprechers Mohamed Hussain Shareef verfügten einige der italienischen Taucher zwar über eine Genehmigung für Tauchgänge bis in 50 Meter Tiefe. Das sagte Shareef der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“. Nach Angaben der Behörden fehlten im Antrag jedoch entscheidende Informationen.
Für Freizeittaucher gelten auf den Malediven normalerweise Tiefenbegrenzungen; internationale Tauchorganisationen wie PADI empfehlen im Freizeittauchen häufig eine maximale Tiefe von rund 30 Metern, je nach Ausbildungsstufe. Forschungsteams können Sondergenehmigungen für größere Tiefen beantragen, die aber auf bestimmte Zwecke und Bedingungen begrenzt sind.
Nicht alle fünf italienischen Taucher dieser Gruppe waren laut Behörden in dem Antrag aufgeführt. Die Gruppe habe zwar mehrere Atolle genannt, aber offenbar nicht ausdrücklich erwähnt, dass ein Höhlentauchgang geplant war. „Das Hauptproblem ist, dass es sich um einen Höhlentauchgang handelte“, zitiert der „Corriere della Sera“ Shareef.
Tauchgang bis in 60 Meter Tiefe?
Die Gruppe der Universität Genua reist laut Shareef seit mehreren Jahren regelmäßig für Forschungsarbeiten auf die Malediven. Geplant gewesen seien Untersuchungen von Weichkorallen und Riffsystemen. Auch der italienische Reiseveranstalter „Albatros Top Boat“, über dessen Schiff „Duke of York“ die Taucher unterwegs waren, erklärte, man habe einen solchen speziellen Höhlentauchgang nicht genehmigt.











