Eigentlich soll der Bundestag sparen
Klöckner sucht TikTok-Redakteur – Gehalt bis zu 8.000 Euro
20.03.2026 – 18:56 UhrLesedauer: 2 Min.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sucht einen TikTok-Redakteur – und zahlt dafür bis zu 8.000 Euro im Monat. Das sorgt für Unmut, denn der Bundestag soll eigentlich sparen.
Julia Klöckner will ihren Auftritt in den sozialen Medien professionalisieren – und lässt sich das einiges kosten. Die Bundestagspräsidentin (CDU) sucht einen neuen Mitarbeiter für ihren Social-Media-Auftritt, die Stelle wurde intern mit bis zu 8.000 Euro im Monat ausgeschrieben. Ein Gehalt, das selbst im Politikbetrieb auffällt. Der „Spiegel“ schreibt, eine solche Summe verdiene sonst eher ein Studiendirektor oder ein Oberstleutnant bei der Bundeswehr – und seltener jemand, der Videos für soziale Medien zusammenschneidet.
Besonders bemerkenswert ist die üppige Vergütung auch deshalb, weil der Bundestag derzeit eigentlich sparen soll. Laut einer internen Präsentation, die dem „Spiegel“ vorliegt, soll das aktuelle Budget um 2,2 Prozent reduziert werden, was im Umkehrschluss bedeute, dass etwa 60 Stellen im Betrieb des Bundestages zusammengestrichen werden.
Insgesamt wolle die Regierungskoalition aus SPD und CDU bis zum Ende der Legislaturperiode ganze acht Prozent des Personals in Ministerien sowie der Parlamentsverwaltung streichen. Für den Bereich der Bundestagspräsidentin scheinen diese Sparpläne allerdings zumindest bislang nicht zu gelten.
Die Bundestagspräsidentin selbst hatte den stärkeren Fokus auf soziale Medien bereits früh mit ihrem Amtsverständnis erklärt. Sie sehe es als Pflicht an, junge Menschen auch dort zu erreichen, wo sie sich informieren, eben in den sozialen Medien, sagte sie bereits kurz nach ihrer Amtsübernahme von ihrer Vorgängerin Bärbel Bas (SPD). Sowohl beruflich als auch privat scheint Klöckner dies sehr ernst zu nehmen.
Wobei sich Amt und Person bei Klöckner auf Social Media nicht immer sauber trennen lassen. Neben den offiziellen Kanälen der Bundestagspräsidentin bespielt sie auch persönliche Accounts unter ihrem Namen. Wer die Inhalte vergleicht, findet dort teils dieselben Beiträge. So entsteht der Eindruck, dass offizielle Kommunikation nicht nur dem Amt dient, sondern zumindest mitunter auch der persönlichen Reichweite Klöckners. Zumal ihre privaten Accounts deutlich mehr Follower haben als die offiziellen.
Für Unmut in der Parlamentsverwaltung hatte zudem bereits gesorgt, dass Klöckner das gesamte Social-Media-Team mit insgesamt sieben Personen in ihren unmittelbaren Arbeitsbereich holte und beim Präsidium ansiedelte. Verantwortet wird dieser Bereich ausgerechnet von ihrem langjährigen Vertrauten Matthias Paul.
Nun soll dort zusätzlich noch ein professioneller TikTok-Redakteur an Klöckners Seite treten – die Stelle ist mit 5.000 bis 8.000 Euro vergütet und ausdrücklich für diese Plattform ausgeschrieben. Im Präsidium erklärt man dem „Spiegel“: Im Vordergrund der Arbeit müssten das Amt der Bundestagspräsidentin und dessen Inhalte stehen, nicht Julia Klöckner als Person. Genau das wolle man künftig beobachten.











