Personeller Neuanfang

Zweiter Neustart in einem Jahr – Kubicki soll FDP retten

Aktualisiert am 30.05.2026 – 04:52 UhrLesedauer: 3 Min.

Wolfgang Kubicki will neuer FDP-Chef werden und seine Partei aus der Krise führen. (Archivbild) (Quelle: Christoph Soeder/dpa/dpa-bilder)

Ein Signal für den Generationenwechsel in der FDP ist Wolfgang Kubicki nicht gerade. Aber es gibt kaum noch Liberale mit Bekanntheitsgrad. Seinen will der 74-Jährige künftig als Parteichef nutzen.

Nach einer Serie von Wahlniederlagen vollzieht die FDP einen personellen Neuanfang – den zweiten innerhalb eines Jahres. Ein Bundesparteitag in Berlin wählt an diesem Wochenende die komplette Führung neu. Einziger Bewerber für den FDP-Vorsitz ist der stellvertretende Parteichef Wolfgang Kubicki.

Er soll schaffen, was dem bisherigen Vorsitzenden Christian Dürr seit seiner Wahl vor einem Jahr nicht gelang: die FDP aus der zunehmenden Bedeutungslosigkeit herauszuführen und wieder zu einem ernsthaften politischen Faktor zu machen.

Bisheriger Parteichef Dürr nach Misserfolgen in der Kritik

Der frühere Fraktionschef Dürr war nach dem Scheitern der Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl im Februar 2025 an die Spitze der Partei getreten. Ihm gelang es aber nicht, das Ruder herumzureißen. In diesem Jahr kassierte die FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg (4,4 Prozent) und Rheinland-Pfalz (2,1 Prozent) bittere Niederlagen. In beiden Ländern kamen sie nicht mehr in den Landtag. Daraufhin traten Präsidium und Bundesvorstand zurück.

Dürr, der massiv in der Kritik stand, wollte ursprünglich wieder für das Amt des Bundesvorsitzenden antreten. Er verzichtete aber darauf, als Kubicki seine Kandidatur ankündigte. Auch der nordrhein-westfälische FDP-Chef Henning Höne zog seine Bewerbung für den Vorsitzendenposten wieder zurück.

Kubicki als letzte Patrone der FDP

Der 74-jährige Kubicki ist eine Art letzte Patrone im Colt der FDP. Nach der verpatzten Bundestagswahl zogen sich zusammen mit Parteichef Christian Lindner fast alle führenden Köpfe und Talente der Liberalen aus der Politik zurück. Dürr wechselte vom Fraktions- auf den Parteivorsitz – nun ist auch er Geschichte. Eine größere Öffentlichkeit kennt allenfalls noch die Europa-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die jetzt aber keine Ambitionen auf den Parteivorsitz zeigte.

Tritt nach nur einem Jahr als FDP-Vorsitzender ab: Christian Dürr (Archivbild) (Quelle: Bernd Weißbrod/dpa/dpa-bilder)

Kubicki hält sich seine jahrzehntelange politische Erfahrung zugute. Er habe die FDP bereits viermal in Parlamente zurückgeführt, zweimal in Schleswig-Holstein und zweimal im Bund – „wo keiner dran dachte, dass es funktionieren kann“, sagte er beim Kandidatenhearing mit Höne Mitte Mai. Als entscheidenden Vorteil sieht er auch seine große Bekanntheit an. Er ist überzeugt: Themen vermitteln sich nicht von selbst, sondern brauchen Transporteure, die es verstehen, Aufmerksamkeit zu erregen.

Krawallmacher aus dem Norden mit Gespür für die öffentliche Bühne

Und das versteht Kubicki tatsächlich, wie er zuletzt beispielsweise zeigte, als er Kanzler Friedrich Merz einen „Eierarsch“ nannte, nachdem der CDU-Chef die FDP für politisch tot erklärt hatte. Kubicki gefällt sich in der Rolle des „Krawallmachers aus dem Norden“, wie er sich bisweilen selbst bezeichnet. Der Medienprofi und gern gesehene Gast in Talkshows weiß, dass Krawall so ziemlich die beste Methode ist, um sich eine große öffentliche Bühne zu verschaffen.

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