„Alle Fachleute einig“
ZDF-Sportchef spricht Klartext zu einem WM-Boykott
27.03.2026 – 12:00 UhrLesedauer: 2 Min.
Das ZDF definiert einen klaren Umgang mit der Situation in den USA, Kanada und Mexiko – und lässt sich eine kleine Hintertür offen.
ZDF-Sportchef Yorck Polus hat kein Verständnis für die Forderungen nach einem möglichen Boykott der Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada. „Ich halte es für nicht sonderlich Erfolg versprechend, wenn der Sport etwas korrigieren soll, was die Politik nicht schafft“, sagte er in einem Interview mit „Spiegel Online“. Man sollte „die Rolle des Sports in diesem Kontext nicht überhöhen“.
In den Vorbereitungen des ZDF gäbe aktuell keinen „Plan B oder C“ für einen möglichen Boykott. „Sollte die Politik allerdings Rahmenbedingungen in diese Richtung vorgeben, werden wir uns darauf einstellen“, fügte der 55-Jährige hinzu.
Polus verweist dabei auf die misslungenen Boykotte der Olympischen Spiele 1980 und 1984. Bei den Spielen in Moskau hatten zunächst die westlichen Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland und die USA auf eine Teilnahme verzichtet, während vier Jahre später die Sowjetunion und die DDR nicht in Los Angeles teilgenommen hatten. Laut dem ZDF-Sportchef sind sich „so ziemlich alle Fachleute einig“, dass die Boykotte „ohne den gewünschten Effekt“ geblieben sind.
Gleichzeitig machte er deutlich, dass Großveranstaltungen wie eine Fußball-WM, Olympia nicht unpolitisch sein können. „Es liegt in der Natur der Sache, dass Länder und deren politische Führungsebene solche Veranstaltungen für die eigenen Botschaften zu nutzen versuchen.“
Dies wolle das ZDF in seiner Berichterstattung auch abbilden. „Der Sport steht im Mittelpunkt, aber wir werden sportpolitische Themen genauso beleuchten wie gesellschaftspolitische.“ In dieser Hinsicht würden die Auslandsstudios und Korrespondenten des Senders eine große Rolle spielen.










