Was mit dem Wrack passieren soll
Historisches Ausflugsschiff verrottet mitten im Tegernsee
18.08.2026 – 15:50 UhrLesedauer: 2 Min.
Einst glitt sie über den Tegernsee, heute steckt die MS Bad Wiessee im Schlamm fest. Nun wollen die Behörden das Wrack loswerden – doch der Eigentümer ist weg.
Es ist ein ungewöhnlicher Anblick am Tegernsee: Im Bereich Tegernsee-Süd liegt ein historisches Ausflugsschiff im Wasser. Doch von seinem früheren Glanz ist kaum noch etwas übrig. Die MS Bad Wiessee ist inzwischen abgesackt und steckt im Schlamm fest. Nun soll das Wrack verschwinden.
Die Stadt Tegernsee fordert schon seit Jahren, dass das Schiff beseitigt wird. Auch das Landratsamt Miesbach ist inzwischen mehrfach tätig geworden. Doch die zuständige Behörde steht vor einem ungewöhnlichen Problem: Der Eigentümer ist nicht zu erreichen.
Behörden ordneten Beseitigung mehrfach offiziell an
Seit Oktober 2025 hat das Landratsamt nach eigenen Angaben fünfmal angeordnet, die MS Bad Wiessee zu beseitigen. Passiert ist bislang nichts. Der jüngste Bescheid stammt vom Mai 2026, konnte wegen zweier Adresswechsel des Eigentümers allerdings nicht zugestellt werden. Damit läuft auch die darin gesetzte Frist zur Entfernung des Schiffs nicht an.
Eine Möglichkeit bleibt den Behörden dennoch: das Schiff selbst bergen zu lassen. Bei einer sogenannten Ersatzvornahme würde das Landratsamt eine Fachfirma beauftragen und versuchen, die Kosten anschließend vom Eigentümer zurückzufordern.
Genau darin liegt allerdings das Risiko. Die Behörde müsste zunächst selbst für die Bergung aufkommen. Ob sich das Geld später vollständig vom Eigentümer eintreiben lässt, ist offen.
Eine akute Gefahr für den Tegernsee soll es durch das Wrack aber nicht geben: Bei einer Untersuchung durch den Fachbereich Wasser, Abfall und Bodenschutz im Februar 2026 ergaben sich nach Angaben des Landratsamts keine Hinweise auf eine Gefährdung des Gewässers.
Vom beliebten Ausflugsschiff zur Bar – und schließlich zum Wrack
Die MS Bad Wiessee blickt auf eine lange Geschichte zurück: Sie war das letzte Holzboot der Bayerischen Seenschifffahrt auf dem Tegernsee und brachte über Jahrzehnte Fahrgäste über den See.
Nach ihrer Ausmusterung sollte das Schiff 2006 eigentlich nach Polen verkauft werden. Dort war vorgesehen, es zu restaurieren und auf der Masurischen Seenplatte weiter einzusetzen. Eine Initiative am Tegernsee sammelte damals jedoch mehr als 3.000 Unterschriften für den Verbleib des Schiffs in der Region. Der Verkauf nach Polen kam nicht zustande.
Stattdessen kaufte der Tegernseer Unternehmer Klaus Hurler die MS Bad Wiessee. Anschließend diente sie vor der damaligen „Villa am See“ als Café und Bar. 2018 wurde das Grundstück mitsamt dem Schiff an einen neuen Eigentümer verkauft. Danach verschlechterte sich der Zustand zunehmend.
