Volksfest bei Kerzenschein

Tausende tanzen beim Kocherlball im Morgengrauen

19.07.2026 – 07:34 UhrLesedauer: 1 Min.

Der Kocherlball am chinesischen Turm (Archivbild). In den vergangenen Jahren besuchten meist mehr als 10.000 Menschen die frühmorgendliche Veranstaltung. (Quelle: Felix Hörhager/dpa/dpa-bilder)

Am Chinesischen Turm startet um 6 Uhr der traditionelle Ball. Ein Verein strebt nun die Anerkennung als Weltkulturerbe an.

In München hat am frühen Sonntagmorgen (19. Juli) der traditionelle Kocherlball begonnen. Tausende Tänzer versammelten sich am Chinesischen Turm im Englischen Garten.

Wie üblich begann die Veranstaltung in den frühen Morgenstunden. Das hat Tradition: Seit über 140 Jahren treffen sich die Münchner sonntags zum Tanzen und Feiern. Ursprünglich traf sich vor allem das Hauspersonal der Stadt, im Volksmund als „Kocherl“ bezeichnet, bevor ihre Herrschaften vom Gottesdienst zurückkamen.

Beliebte Münchner Tradition war jahrzehntelang verboten

Im Jahr 1904 verboten die Obrigkeiten den Ball wegen „Unsittlichkeit“. Erst zur 200-Jahr-Feier des Englischen Gartens 1989 lebte die Tradition wieder auf. Seitdem findet der Kocherlball jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli statt.

Gäste feiern bei Kerzenschein am Chinesischen Turm. Das traditionelle Freiluft-Volkstanzfest findet seit 1989 wieder statt, in der Regel am 3. Sonntag im Juli. (Quelle: Felix Hörhager/dpa/dpa-bilder)

Seit der Wiederentdeckung ist die Gastronomen-Familie Haberl Gastgeberin des Balls. Tanzmeisterin Katharina Mayer und Vortänzer Magnus Kaindl leiten die Tänze an. Sie helfen auch Ungeübten bei Landler, Polka oder Zwiefachem.

Verein will Ball zum Weltkulturerbe machen

Der Verein zur Erhaltung der Biergartentradition will den Kocherlball zum Weltkulturerbe machen. Bis 2029 wolle man eine Bewerbung vorbereiten, sagte Vereinspräsidentin Ursula Seeböck-Forster der „Süddeutschen Zeitung“.

Dass Tradition mit der Zeit geht, zeigt auch das Publikum: Während heutzutage keine „Kocherl“ mehr am chinesischen Turm tanzen, gibt es mittlerweile auch Besucher, die dort aus dem Münchner Nachtleben direkt in den Sonntagmorgen starten.

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