Und da muss man auch sagen: Für einen sicheren Hafen wurde das Edelmetall in letzter Zeit recht schwankungsanfällig und spekulativ. Man war gewohnt, dass es üblicherweise unter kleinen Schwankungen gehandelt wurde. Die letzten drei Jahre zog der Goldpreis zwar immer weiter an, aber Kurssprünge von zehn Prozent an einem Tag oder Verluste in gleicher Höhe, das gab es zuvor nicht. Jetzt hingegen sind die Ausschläge spekualtiv(er) getrieben, und das schwächt die Position von Gold als Flucht-Möglichkeit.
Die Inflationssorgen – schneller zurückgekehrt als gedacht – lassen Investoren hadern. Am Anleihenmarkt bedeutet das: US-Staatsanleihen werden erst einmal verkauft, vor allem kurzfristige. Wie meist in so einer Gemengelage. Bis vor Kurzem waren Investoren noch überzeugt, dass die Notenbank in den USA, die FED, die Zinsen demnächst nochmal senkt.
Und hier fragt sich vielleicht mancher: Was ist denn mit deutschen Staatsanleihen, gelten die nicht als besonders sicher? Ja, tun sie. Aber auch hier spielt das Inflations- und Zinsthema eine Rolle. Auch deutsche Anleihen wurden aktuell eher verkauft. Genauso britische, diese sicheren Häfen also eher nicht angesteuert. Anleihen werden derzeit also nicht als Alternative zu den fallenden Aktienmärkten gesehen. Punkt.
Bringt die Ansage von US-Präsident Trump, für Schutz und Sicherheit in der Straße von Hormus zu sorgen, das Vertrauen zurück? Die US-Aktienmärkte bremsten jedenfalls ihre Verluste nach dieser Ankündigung ein. Ob das reicht?
Bleibt die ewige Nummer 1 der sicheren Häfen: der Schweizer Franken. Im Vergleich zum Euro ist er so teuer wie seit elf Jahren nicht. Die Schweizer Nationalbank ist bereit, am Devisenmarkt gegen einen zu teuren Franken zu intervenieren. Das ist aber bereits eingepreist, sprich: wird erwartet. Ein Verhalten, das am Devisenmarkt auch nicht unüblich ist – unüblich ist eher, das verbal zu orchestrieren.
Damit zeigt sich aber auch, wie ernst die Notenbanker die Lage nehmen. Denn ein weiter steigender Franken birgt konjunkturelle Risiken für die Schweiz. Bislang läuft die Wirtschaft dort, die Inflation ist extrem niedrig – und das soll aus Sicht der Schweiz auch so bleiben.
Und um es der Vollständigkeit halber zu erwähnen: In Krisen kommt immer wieder das Narrativ vom Bitcoin als digitalem Gold auf – das soll eine gewisse Sicherheit der Krypto-Währung suggerieren, die es aber nicht gibt. Krypto-Währungen kamen in den vergangenen Tagen ordentlich unter die Räder, Erholungen wechselten mit weiteren Talfahrten. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte (also für alle, denen der Kurssturz zu Beginn des Ukraine-Krieges oder im Gaza-Krieg noch nicht Beweis genug war), dass eine siebzehn Jahre alte Bezahlalternative in weitreichenden Krisen bei Investoren nicht den gleichen Stellenwert hat wie ein Schweizer Franken oder auch Gold, dann ist er hiermit wohl erbracht.
Fazit: Flucht in Sicherheit wird wieder groß geschrieben an den Börsen. Aber Investoren wählen sorgsam aus: Nicht alles, was sicher war, ist es noch.











