Sein bisher größter Verdienst ist nicht nur die WM-Qualifikation. Er hat den Kader in eine Form gebracht, in der Talente wie Güler und Yıldız ihr ganzes Talent entfalten können, ohne dass das dem Teamgedanken geschadet hätte. In engen Spielen überdreht das Team nicht mehr und kann zuschlagen, wenn es darauf ankommt. Montella hat der Mannschaft ihre frühere Neigung zum offenen Schlagabtausch nicht völlig genommen, aber er hat ihr ein Sicherheitsnetz gebaut.
Türkei bei der Fußball-WM: Spielsystem und Taktik
Unter Montella tritt die Türkei meist in einer 4-2-3-1-Grundordnung an. Das zeigte schon die Startelf gegen Rumänien mit Çalhanoğlu und Yüksek im Zentrum sowie Güler, Yıldız und Yılmaz hinter Stürmer Aktürkoğlu. In Ballbesitz verschiebt sich dieses System jedoch. Die Außenverteidiger schieben hoch, Arda Güler platziert sich im rechten Halbraum, Yıldız sucht Dribblings auf dem linken Flügel. So entsteht phasenweise eher eine mit fünf Spielern vor dem Ball.
Die Türkei will den Ball, aber nicht nur zum Zirkulieren, nicht für Tiki-Taka. Sie will mit kurzen Kombinationen Gegenspieler aus dem Zentrum ziehen und dann über Halbräume oder den nachrückenden Außenverteidiger in den Strafraum kommen. Montellas Elf presst zudem aktiver als frühere türkische Teams: nicht permanent, aber mit klaren Momenten, in denen sie nach Ballverlust sofort nachsetzt.
Die Schwachstelle bleibt die letzte Konsequenz im Abschluss. Der Mannschaft fehlt ein verlässlicher Torjäger auf dem Niveau früherer türkischer Angreifer wie Hakan Sükür. Umso entscheidender: Standards, zweite Bälle und Schüsse aus der zweiten Reihe.
So hat die Türkei bei früheren Weltmeisterschaften abgeschnitten
Die Türkei war bislang zweimal bei einer WM-Endrunde dabei: 1954 und 2002, als die Mannschaft sensationell das Spiel um den dritten Platz gewann. Das Auftreten des Teams seinerzeit in Japan und Südkorea prägt bis heute das Selbstbild der Türken: Viertelfinalsieg gegen Senegal, Halbfinale gegen Brasilien, dann Bronze nach dem 3:2 gegen Südkorea. 2026 kehrt die Mannschaft deshalb in den Augen der türkischen Öffentlichkeit nicht einfach zurück, sie soll an eine große WM-Erinnerung anknüpfen.
Die lange Lücke zwischen 2002 und 2026 ist ebenfalls Teil der Geschichte. Das Comeback 2026 sehen viele Beobachter in der Türkei als möglichen Wendepunkt für eine ganze Generation von Fußballfans. Allein das macht die Auswahl zu einer der interessanteren Mannschaften dieser WM, erhöht aber auch den Druck auf Spieler und Verantwortliche.









