Da Schlittschuhlaufen nur wenige Monate im Jahr möglich war, begann Hudora bereits in den 1920er-Jahren, zusätzlich Rollschuhe zu produzieren. Firmengründer Dornseif meldete mehr als 40 Patente an und entwickelte unter anderem einen Schlittschuh aus einem Stück, der das Unternehmen europaweit bekannt machte.
Über die darauffolgenden Jahrzehnte hinweg stattete Hudora zahlreiche bekannte Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer mit Schlittschuhen aus, darunter die Olympiasieger Katarina Witt und Manfred Schnelldorfer. Mit dem Wandel des Sports und der Freizeitgewohnheiten veränderte sich auch das Unternehmen – weg vom Schlittschuh hin zu einem deutlich breiteren Sortiment für Bewegung und Freizeit.
Der BigWheel kommt im richtigen Moment und wird zum Roller-Erfolgsmodell
Ein wichtiger Meilenstein war die Einführung des Rollers im Jahr 2001. Der BigWheel, ein Rollermodell mit größeren Rädern, erwies sich mit seinem patentierten Klappmechanismus als besonders sicher. Er entstand gemeinsam mit Horst-Walter Grollius, Professor an der Bergischen Universität Wuppertal. Nachdem Unfälle mit anderen Klappverschlüssen den Rollermarkt erschüttert hatten, bestand nach Herstellerangaben nur der BigWheel die Sicherheitstests und durfte auf dem Markt bleiben.
Der Erfolg ist heute noch derselbe: „Der Roller ist unsere stärkste Kategorie, da sind wir Marktführer. Es ist auch das demokratischste Produkt: Um mit einem Roller zu fahren, braucht es keinen Garten, wie zum Beispiel bei einem Trampolin. Das heißt, es ist sowohl ein Produkt, das finanziell für viele erschwinglich ist und für das keine eigene Fläche benötigt wird“, erklärt Geschäftsführer Hasko Heinrici.
Unternehmenskennzahlen
– Branche: Sport-, Freizeit- und Mobility-Produkte
– Jahresumsatz: etwa 30 Millionen Euro über alle Gesellschaften und Beteiligungen der Hudora-Gruppe
– Mitarbeitende: 40
– Besonderheiten: Familienunternehmen, gegründet 1919 und aktuell in vierter Generation.
Anpassung durch Individualität: Maskottchen startet in den sozialen Medien durch
Neben wirtschaftlichen Herausforderungen wie Problemen bei der Verfügbarkeit von Rohstoffen wie Aluminium sowie längeren Lieferzeiten, weil Schiffe länger unterwegs sind, sei TikTok auch in der Kommunikation ein zunehmendes Problem:
„Wir konkurrieren nicht nur klassisch mit anderen Wettbewerbern aus dem Roller-Segment, sondern auch mit dem nächsten Trailer für einen Spider-Man-Film, mit dem Reel der besten Freundin oder des Lieblingskünstlers.“ Dabei gehe es um Aufmerksamkeit in einer Zielgruppe, die Hudora, wenn es hochkomme, vier Sekunden schenke, um eine Botschaft zu vermitteln, erklärt Müscher.
Der Ansatz, an dem das Unternehmen schon seit Langem arbeitet, ist, eine eigene Identität zu entwickeln. Mit dem Maskottchen „Dora Donkey“ postet Hudora regelmäßig auf Instagram und hat dort 15.500 Follower.
30 Euro oder 100 Euro: Wie Hudora sich gegen die Konkurrenz behauptet
Die Konkurrenz durch Billiganbieter hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Während Hudora seine Roller für 100 bis 120 Euro anbietet, gibt es Anbieter, deren Roller schon für 30 bis 45 Euro erhältlich sind. Trampoline kosten bei Hudora etwa 350 Euro, bei anderen Anbietern ab 150 Euro. „Es ist wichtig, den Kunden immer wieder die Vorteile unserer Produkte zu erklären“, erzählt Heinrici. Was die eigenen Produkte von denen der Konkurrenz unterscheidet, seien gute Qualität und Langlebigkeit: „Es heißt ja: ‚Wer schlechte Qualität kauft, kauft zweimal.‘ Der Roller für 100 Euro hält dann auch lange und wird noch an Geschwister oder Freunde weitergegeben.“