Wettstreit um Börsengang
KI-Rennen geht in die heiße Phase
02.06.2026 – 15:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Anthropic will an die Börse und kommt damit OpenAI zuvor. Der Wettbewerb der beiden KI-Schwergewichte wird auch durch die Rivalität der Gründer befeuert.
Der KI-Entwickler Anthropic hat einen vertraulichen Antrag für einen Börsengang in den USA eingereicht. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Bei einem vertraulichen Antrag reicht ein Unternehmen Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC ein, veröffentlicht zentrale Geschäftszahlen aber erst später.
Damit kommt Anthropic einem Börsengang immer näher – noch vor OpenAI, dem Entwickler von ChatGPT. Mit dem Schritt an die Kapitalmärkte setzt Anthropic seinen Rivalen unter Druck. Denn auch der ChatGPT-Entwickler arbeitet an einem Börsengang.
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Anthropic greift OpenAI frontal an
Anthropic wurde erst 2021 gegründet und hat seitdem einen steilen Aufstieg hingelegt. Der Erfolg des Unternehmens ist eng mit seinem Chatbot Claude verbunden. Besonders stark ist Anthropic im Geschäft mit Unternehmen und beim automatisierten Schreiben von Softwarecode.
Dort liegt einer der wichtigsten Schauplätze im KI-Wettbewerb. Mit Programmierhilfen können Unternehmen Kosten senken und Prozesse beschleunigen. Anthropic hat diesen Markt früh besetzt.
Mit Erfolg – wie das Vertrauen internationaler Investoren zeigt. Anthropic sammelte zuletzt 65 Milliarden Dollar frisches Kapital ein. Medienberichten zufolge wurde das Unternehmen dabei mit rund 900 bis 965 Milliarden Dollar bewertet. Damit rückt Anthropic in eine Größenordnung vor, die lange OpenAI vorbehalten schien.
OpenAI bleibt dennoch der bekannteste Name der Branche. ChatGPT löste Ende 2022 den KI-Boom aus und machte OpenAI zum Symbol für generative Künstliche Intelligenz. Doch Anthropic hat aus der Rolle des Herausforderers heraus aufgeholt – und zwingt OpenAI nun, selbst Tempo zu machen.
Rivalität mit Vorgeschichte
Der Wettbewerb zwischen beiden Firmen ist persönlich geprägt. Anthropics Gründer Dario Amodei arbeitete früher bei OpenAI und galt dort als einer der wichtigsten Forscher. Doch nach einem Bruch mit OpenAI-Gründer Sam Altman verließ er das Unternehmen mit mehreren Mitstreitern und machte sein eigenes Ding.

Seitdem stehen Altman und Amodei für zwei sehr unterschiedliche Rollen im KI-Boom. Altman tritt als Macher auf, der OpenAI eng an Wirtschaft und Staat heranführt. Er hat ein riesiges Netzwerk, ist an vielen Mitbewerbern beteiligt, wirbt für große Infrastrukturprojekte und geht auch umstrittene Geschäfte mit der US-Regierung ein, die Amodei ausschlägt. Frühere Wegbereiter, von denen Altman viele verprellt hat, sagen ihm Ruchlosigkeit und Unehrlichkeit nach.











