Antrag der CDU und AfD
Heidenau verwehrt Stolpersteine: Wer war Fritz Goldstein?
25.09.2026 – 17:34 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Nazis verhafteten ein Heidenauer Ehepaar, enteigneten es und schoben es samt Tochter nach Polen ab. Vor ihrem früheren Wohnhaus wird nun kein Gedenkstein daran erinnern.
Der Stadtrat in Heidenau hat am Donnerstagabend beschlossen, keine neuen Stolpersteine im öffentlichen Raum zu verlegen. 13 Stadträte stimmten dafür, 6 dagegen, einer enthielt sich. Den Antrag brachten AfD, CDU und die Initiative „Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie“ (BOD) ein.
Bislang liegen in Heidenau fünf Stolpersteine. Zwölf weitere für sieben Familien hatte das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz (Akubiz) beantragt. Unter anderem für das Ehepaar Goldstein, das zentral in Heidenau gelebt hatte und deren Geschichte mit am besten aufgearbeitet ist. Mit dieser Stadtrat-Entscheidung wird nun keine Messingplatte an ihre Vertreibung erinnern.
Verhaftet, enteignet, abgeschoben
Das Leben der Familie hat der Verein für das digitale Erinnerungsprojekt „Gedenkplätze“ recherchiert. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, lebte Fritz Goldstein mit seiner Frau Martha und der gemeinsamen Tochter in Heidenau. Er war Jude, seine Frau nicht. Bis dahin hatte Fritz in der Heidenauer Glashütte und im Tiefbau gearbeitet. Martha verdiente als Schneiderin Geld.
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Am 27. Oktober 1938 verhaftete die Heidenauer Polizei die Familie. Die Behörden beschlagnahmten den Besitz der Goldsteins und schoben sie nach Polen ab.
Über Polen bis nach Kasachstan
Nach Angaben des Vereins trieben die Deutschen die mittellose Familie bei Kriegsbeginn 1939 über den Fluss Bug. Sowjetische Truppen nahmen sie demnach als angebliche Spione fest und brachten sie nach Kasachstan. 1941 meldete sich Fritz Goldstein zur Roten Armee und diente später als Sanitäter. Die Ehe zerbrach, Martha wanderte mit der Tochter in die USA aus.
Fritz Goldstein kehrte im Oktober 1945 nach Heidenau zurück und wurde Standesbeamter bei der Stadt. Von den Strapazen erholte sich seine Gesundheit nicht mehr. Er starb im Juni 1950 mit 50 Jahren.
„Dieses Argument ist nur vorgeschoben“
Dass an solche Schicksale künftig nicht mehr vor den Wohnhäusern erinnert werden soll, begründet der Antrag damit, dass Passanten über die Namen der NS-Opfer hinweggingen. Das sei kein „würdevolles Erinnern“. Laut Beschluss soll das Gedenken künftig vorzugsweise auf dem Nordfriedhof stattfinden.