Es folgte die nächste Hürde: Bier musste sich im Dschungel der Angebote zurechtfinden. In einem Portal der Bundesagentur für Arbeit sind rund 166.000 Kurse von mehr als 8.000 Trägern gelistet. Empfehlungen gibt es nicht. Deshalb musste Bier sich selbst tagelang durch die Angebote klicken. „Mir war nicht bewusst, dass es da so viele gibt“, sagt er.
Um als Kursanbieter in der Trefferflut von mein.now, dem Onlineportal für berufliche Weiterbildung der Arbeitsagentur, überhaupt sichtbar zu werden, zählt vor allem eins: Masse. Wer nach „Marketing“ sucht, landet bei mehr als 10.000 Treffern.
In dem Geschäft geht es um viel Geld. Pro Person kosten Maßnahmen häufig 10.000 bis 20.000 Euro. In informationskaufmännischen und technischen Berufen (IKT) sind die Kostensätze besonders attraktiv. Deshalb gibt es dort auch so viele Angebote.
Heiko Bier fühlte sich bei seiner Suche überfordert. Daniel Graf versteht das nur zu gut: „Ich wäre auch total überfordert als Arbeitsloser.“ Graf ist Brancheninsider, er berät seit Jahren Bildungsträger und kennt die Regeln, nach denen Kurse überhaupt auf den Markt kommen. Niemand könne erkennen, welche Kurse besser oder schlechter sind. „Die Angebote sehen von der Struktur her alle gleich aus.“ Die Arbeitsagentur darf aus Gründen der Wettbewerbsneutralität keine einzelnen Kursanbieter empfehlen. „Die Konsequenzen sind gravierend“, sagt Graf. Früher hätten Vermittler lokal oft gewusst, welche Träger gut sind. Heute dürfen sie das nicht mehr sagen.
Zwar ist jedes Angebot im Portal „zertifiziert“. Doch dieses Siegel sagt nach Grafs Erfahrung wenig über die Qualität aus. Wer Kurse für Arbeitslose über Bildungsgutscheine abrechnen will, braucht dafür eine sogenannte AZAV‑Zertifizierung (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung) für den Träger und für jede Maßnahme. Die Prüfung übernehmen privatwirtschaftliche „fachkundige Stellen“; bundesweit gibt es rund 30 solcher Zertifizierer. Beauftragt und bezahlt werden sie von den Bildungsträgern selbst, überwacht werden sie durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS).
Graf kritisiert, dass in der Praxis vor allem der Rahmen geprüft wird: Anwesenheitslisten, Teilnehmerverträge, Konzepte. „Es wird nicht geguckt, was sie inhaltlich machen“, sagt er. Auch in den jährlichen Folgeprüfungen würden nur Unterlagen geprüft, nie der Unterricht an sich. Die Zertifizierer sieht Graf dabei nicht als Hauptschuldige: Sie seien „nur Erfüllungsgehilfen“ der Bundesagentur für Arbeit und bekämen eng vorgegeben, was sie prüfen dürften.










