Umstrittene Nacktszene
WDR reagiert auf Skandal um Wim-Wenders-Film
06.06.2026 – 10:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Film „Falsche Bewegung“ von Regisseur Wim Wenders löst eine Debatte in der Filmbranche aus. Zu der nimmt nun auch der WDR Stellung.
Nach dem Streit um eine Nacktszene mit Schauspielerin Nastassja Kinski soll der Film „Falsche Bewegung“ von Regisseur Wim Wenders vorerst nicht mehr gezeigt werden. Der Film werde aus allen aktuellen Auswertungsformen zurückgezogen, teilte die Wim Wenders Stiftung mit. Streaming-, TV- und Vertriebspartner würden dazu angewiesen, den Film nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen. Nun reagiert auch der WDR auf die Debatte rund um den Film.
„Falsche Bewegung“ war 1974 von Solaris-Film- und Fernsehproduktion für den Sender produziert worden. Auf Anfrage von t-online nimmt dieser Stellung zu den jüngsten Entwicklungen: „Der WDR begrüßt die aktuelle Debatte um den Film ‚Falsche Bewegung‘, war aber in die damit verbundenen aktuellen Entscheidungen nicht eingebunden“, heißt es.
„Nicht geplant, den Film noch mal auszustrahlen“
Die Fernsehrechte im Sendegebiet der BRD lägen beim WDR. Der Sender setze sich selbstverständlich „mit strittigen Filmwerken der jüngeren und älteren Filmgeschichte“ auseinander und prüfe in jedem Einzelfall das angemessene Vorgehen. Zuletzt sei „Falsche Bewegung“ am 14. Oktober 2020 um 1.50 Uhr im NDR Fernsehen zu sehen gewesen. Die Ausstrahlung habe damals im Zusammenhang mit einer umfassenden Werkschau anlässlich des 75. Geburtstags von Wim Wenders gestanden. Der Sender stellt klar: „Es ist nicht geplant, den Film noch einmal auszustrahlen.“
Hintergrund ist ein Streit um eine Szene im Film „Falsche Bewegung“ aus dem Jahr 1975, in der die damals 13-jährige Kinski mit nacktem Oberkörper gezeigt wird. Ein Mann ohrfeigt sie und streichelt dann ihr Gesicht. Kinski trägt in dieser Szene lediglich eine Unterhose. Die Schauspielerin bittet Wenders laut eigenen Angaben seit Jahren, die rund zweiminütige Szene zu entfernen. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte sie kürzlich: „Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war“.
- Streit um Nacktszene: So urteilen die Deutschen über den Wenders-Skandal
Wenders hatte vergangene Woche beim Deutschen Filmpreis gesagt, er würde die Szene „heute nie mehr so machen“. Seinem damaligen jungen Ich könne er aber keinen Vorwurf machen. Er habe einen Film in seiner Zeit gemacht. Doch es ergebe sich eine Frage, die alle Filmschaffenden angehe: „Wie geht man mit Filmerbe um?“
Dürfe und solle man eine Szene schneiden, wenn sie einer Schauspielerin – „die ich sehr verehrt habe und verehre“ – weh tue? „Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?“, fragte Wenders bei der Gala in Berlin. Der Regisseur bat die Deutsche Filmakademie auch damals um eine Debatte.
