Noch deutlicher ist der Unterschied bei Erwerbsunterbrechungen: Während darin 43 Prozent der Frauen ein zentrales Problem sehen, sind es bei Männern lediglich 29 Prozent.

„Frauen sind bei der Altersvorsorge häufig doppelt benachteiligt: Sie haben im Durchschnitt geringere Einkommen und sind öfter von Erwerbsunterbrechungen betroffen“, sagt Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier. „Gleichzeitig leben sie im Schnitt länger und benötigen daher tendenziell mehr finanzielle Rücklagen für den Ruhestand.“

Die Reform der privaten Altersvorsorge soll nun Anreize verbessern und mehr Menschen zum Sparen bewegen, um die Rentenlücke zumindest teilweise zu schließen. Doch die Zahlen zeigen, dass ein entscheidender Teil der Bevölkerung gar nicht die Möglichkeit hat, diese Angebote zu nutzen. Wer wenig verdient, in Teilzeit arbeitet oder längere Erwerbspausen einlegt, kann oft nichts zurücklegen, selbst wenn die staatliche Förderung attraktiver wird.

Der Sozialverband VdK fordert daher eine Stärkung der gesetzlichen Rente. Diese biete im Unterschied zur privaten Altersvorsorge viele solidarische Ausgleichselemente, die es ermöglichen, Erwerbsunterbrechungen bei der Rentenberechnung später teilweise auszugleichen. Dazu zählten etwa die Witwenrente, die Grundrente, Zurechnungszeiten für Erwerbsgeminderte sowie Kindererziehungs- und Pflegezeiten. „Diese solidarischen Elemente dürfen nicht gekürzt, sondern müssen zielgenau ausgebaut werden“, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele t-online.

Um die gesetzliche Rente langfristig zu finanzieren und Altersarmut zu verhindern, schlägt sie eine Doppelstrategie vor: Erstens sollte es pflegenden Frauen und Müttern ermöglicht werden, aus der Teilzeitfalle auszusteigen. „Dafür braucht es eine flächendeckende, hochwertige Ganztagsbetreuung, bessere Tagespflegestrukturen, die Abschaffung von Minijobs, eine Reform der Besteuerung von Paaren und Familien“, so Bentele weiter.

Zweitens brauche es eine Strategie für gesunde Arbeit bis zur Regelaltersgrenze. Zu viele Ältere würden in der Krise entlassen. Wichtig seien flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildung für ältere Beschäftigte sowie mehr betriebliche Gesundheits- und Reha-Angebote.

Eine stärkere Erwerbsbeteiligung insbesondere von Frauen gilt nicht nur als Frage der Gleichstellung, sondern auch als wirtschaftliche Notwendigkeit: Denn in den kommenden Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Die OECD warnt, dass der demografische Wandel den Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck setzen wird.

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