Sanssouci in Potsdam

Warum Menschen am Grab des Alten Fritz Kartoffeln ablegen


Aktualisiert am 26.04.2026 – 08:02 UhrLesedauer: 2 Min.

Ungewöhnlicher Grabschmuck: Auf dem Grab des Preußenkönigs Friedrich II. vor Schloss Sanssouci liegen Kartoffeln, statt Blumen. Wie kommt es zu der Sitte?

Ungewöhnlicher Grabschmuck: Auf dem Grab des Preußenkönigs Friedrich II. vor Schloss Sanssouci liegen Kartoffeln statt Blumen. Wie kommt es zu der Sitte? (Quelle: BeckerBredel)

Ein großer König, dessen Reich längst der Geschichte angehört, hat ein Vermächtnis hinterlassen. Dafür wird Friedrich II. noch heute geehrt.

Vielleicht sind Sie als Besucher des Schlossparks Sanssouci auch schon einmal über den ungewöhnlichen Schmuck auf der Grabsteinplatte des Alten Fritz gestolpert? Statt Blumen legen Menschen hier an der letzten Ruhestätte des Preußenkönigs Friedrich II. (1712–1786) Kartoffeln ab. Woher kommt diese Tradition? Die Erklärung beginnt mit einer kleinen Zeitreise.

Ob gebraten, gestampft oder gekocht: Kartoffeln sind von deutschen Speisekarten nicht wegzudenken. Aber sie sind eigentlich ein recht junges Gemüse (oder vielmehr eine Hackfrucht). Erst im 17. Jahrhundert kamen die ersten Bauern im Elsass und in süddeutschen Regionen auf die Idee, es mit der Knolle zu versuchen – zu einer Zeit, als Brot und Getreidebreie die Grundnahrungsmittel in den (heutigen) deutschen Landen waren.

Mitte des 18. Jahrhunderts plagten Missernten und Hungersnöte die Bevölkerung. Friedrich II., seit 1740 König in Preußen, suchte nach einer robusten Ergänzung zum Getreideanbau. Die Kartoffel war genügsam, lieferte hohe Erträge und konnte auch in sandigen Böden wachsen. Sie war ideal für die kargen märkischen Felder.

Bereits 1744 erließ Friedrich erste Anweisungen, die den Anbau förderten. Besonders bekannt sind seine „Kartoffelbefehle“ von 1756, mit denen er seine Beamten anwies, den Bauern Saatkartoffeln zu geben und den Anbau nachdrücklich zu überwachen.
Überliefert ist ein Schreiben an seine Beamten, in dem er forderte: „Wenn die Untertanen den Anbau verweigern, so ist mit sanftem Zwang, notfalls mit militärischer Aufsicht, vorzugehen.“

Die Landbevölkerung begegnete der neuen Pflanze zunächst mit Skepsis. Viele hielten die Knolle für ungenießbar oder sogar giftig, weil die oberirdischen grünen Pflanzenteile tatsächlich geringe Mengen des pflanzlichen Giftes Solanin enthalten. Manche kochten fälschlich nur die Beeren, nicht die Knolle – mit unangenehmen Folgen für Magen und Darm.

Langfristig setzte sich die Kartoffel aber durch. Bereits um 1770 meldeten preußische Provinzen steigende Ernten, und nach Friedrichs Tod 1786 war die Knolle vielerorts fester Bestandteil der Ernährung. Um 1800 betrug der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch in Preußen bereits rund 100 Kilogramm. Im 19. Jahrhundert verdoppelte sich der Verbrauch in Deutschland dann auf über 200 Kilogramm pro Kopf. Die Kartoffel wurde zum wichtigsten Grundnahrungsmittel.

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