Auch Putin stellt Russland jedoch auf eine lange Konfrontation ein und bekommt Unterstützung aus China und Nordkorea. Warum sollte er irgendwann einlenken?
Es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem man sich auch im Kreml für ernsthafte Verhandlungen entscheidet. Wann das sein wird, weiß ich nicht. Eine Voraussetzung für Frieden ist aber ganz offensichtlich die Einsicht Putins, dass auf dem Schlachtfeld nichts mehr zu erreichen ist. Dass dieser Moment endlich kommt, dass das Leiden und das Sterben endlich endet, diesem Ziel gilt meine Arbeit.
Gespräche finden aktuell allerdings nicht statt. Deutschland steht eindeutig auf der Seite der Ukraine und fällt als neutraler Vermittler aus. Wer könnte diese Rolle übernehmen?
Ich glaube weiterhin, dass die Amerikaner eine Rolle spielen können. Darüber habe ich am Montag auch mit US-Außenminister Marco Rubio gesprochen.
Das ist überraschend. Schließlich scheinen sich die USA immer mehr aus Gesprächen im Ukraine-Krieg zurückzuziehen. Sind Sie enttäuscht von Rubio?
Nein. Mit unserer Zusammenarbeit bin ich sehr zufrieden. Sie ist konstruktiv und positiv. Das Ukraine-Dossier wurde bisher eher von Steve Witkoff und Jared Kushner bearbeitet, von Marco Rubio noch nicht so sehr. Vielleicht finden wir auch bei der Ukraine einen gemeinsamen Ansatzpunkt.
Gab es im Gespräch mit dem US-Außenminister irgendwelche Fortschritte?
Wir sind uns jedenfalls vollkommen einig darin, dass dieser Krieg letztlich auf dem Verhandlungsweg gelöst werden muss. Das sehe ich so, das sieht mein amerikanischer Amtskollege so – wir sehen leider aber auch beide, dass Putin dazu derzeit nicht bereit ist. Daran kann leider auch größtmöglicher Vermittlungswille wenig rütteln, wie wir letzten Sommer in Anchorage sehen mussten.
Im vergangenen Jahr haben Trump und Putin in Anchorage persönlich miteinander verhandelt. Würde ein erneutes Treffen der Präsidenten Sinn ergeben?
Das kann ich nicht vorhersagen. Ende des Jahres gibt es einen G20-Gipfel unter amerikanischer Präsidentschaft. Normalerweise gehört der russische Präsident zu den Teilnehmern. Es ist also durchaus möglich, dass er nach Washington reist.
Wäre eine Teilnahme Putins an dem G20-Gipfel im Sinne der Ukraine und der Europäer?
Im Sinne der Ukraine wie auch im Sinne Europas wären endlich Gespräche, die von ernsthafter Friedensbereitschaft Putins getragen sind. Was der Rahmen für solche Gespräche wäre, spielt eine nachgeordnete Rolle.