„Wir haben keine Zeit zu verlieren“
Volkswagen will mehr als 10.000 weitere Stellen abbauen
23.10.2026 – 22:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Konflikt zwischen VW-Konzernleitung und IG Metall spitzt sich weiter zu. Nun droht ein Arbeitskampf historischen Ausmaßes.
Volkswagen weitet seinen Stellenabbau deutlich aus. Bei der Kernmarke sollen bis 2030 weitere 12.000 Stellen sozialverträglich abgebaut werden – zusätzlich zu den bereits angekündigten mehr als 35.000 Stellen. Das wurde am Freitagabend nach einem Krisentreffen zwischen Konzernleitung und Gewerkschaft bekannt. Beide Seiten trennten sich ohne Annäherung, wie die „Bild“ berichtet.
VW-Personalvorstand Arne Meiswinkel begründete die Pläne mit einer dramatisch verschlechterten Geschäftslage: „Wir haben keine Zeit zu verlieren. Seit dem Zukunftstarifvertrag 2024 hat sich die wirtschaftliche Situation drastisch verschlechtert.“ Der Konzern will den betroffenen Beschäftigten den Wechsel in öffentlich geförderte Transfergesellschaften ermöglichen – also staatlich bezuschusste Auffanggesellschaften, in denen Arbeitnehmer für neue Stellen qualifiziert werden sollen.
Zehntausende Beschäftigte betroffen
Genau daran entzündet sich der Konflikt mit der IG Metall. Die Gewerkschaft bewertet den Vorstoß als „tarifpolitischen Wortbruch ohne tragfähige Rechtsgrundlage“ und sieht die Gefahr einer „Sanierung auf Kosten der Steuerzahler“.
Zusätzlichen Sprengstoff liefert die Kündigung von zehn Tarifverträgen, die Volkswagen Ende September zum 31. Dezember 2026 ausgesprochen hat. Die Vereinbarungen regeln Arbeitszeiten, Urlaub und Zulagen für rund 130.000 Beschäftigte in Deutschland. Die IG Metall wertet auch das als Vertrauensbruch.
Gewerkschaft warnt vor historischer Eskalation
Die Reaktionen der Arbeitnehmerseite sind unmissverständlich. Betriebsratschefin Daniela Cavallo bezeichnete das Vorgehen als „Riesenaffront“. IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger warnte vor einem Konflikt, „der größer werden könnte als alles das, was dieser Konzern jemals erlebt hat.“
Die Tarifgespräche sind für den 24. November in Emden und den 15. Dezember in Zwickau angesetzt. Die Friedenspflicht läuft am 31. Dezember 2026 aus. Kommt bis dahin keine Einigung, sind Warnstreiks und weitere Arbeitskampfmaßnahmen möglich.