Gerade war sie zum letzten Mal bei „Unter uns“ zu sehen, bald wird die Serie eingestellt. Bei t-online blickt Viola Wedekind kritisch auf die Entwicklung der TV-Branche.
Seit über 20 Jahren steht sie vor der Kamera, spielte in zahlreichen TV-Hits mit. Vor allem durch Rollen in den Serien „Die Rettungsflieger“ und „Sturm der Liebe“ machte sich Viola Wedekind einen Namen. Zuletzt war sie Teil der RTL-Soap „Unter uns“ – doch ihr Engagement dauerte kürzer als gedacht.
Am 1. Oktober lief ihre finale Szene als Dr. Dana Gülek im TV. Ein Grund für das verfrühte Aus: RTL setzt „Unter uns“ nach mehr als 30 Jahren ab. Im Interview mit t-online spricht Viola Wedekind über einseitige Verträge, stagnierende Gagen und die Frage, wer sich die Schauspielerei überhaupt noch leisten kann.
t-online: Frau Wedekind, Sie waren ein Dreivierteljahr bei „Unter uns“. Kurze Zeit später wurde bekannt gegeben, dass die Serie abgesetzt wird.
Viola Wedekind: Plötzlich hieß es, dass meine Rolle sechs Monate früher endet als geplant. Ich nehme an, dass die Abschlussgeschichten noch einmal umgestellt wurden, als sich das Ende der Serie immer mehr herauskristallisiert hat. Die Entscheidung, ob eine Daily Soap weitergeht, wird ja jährlich zu einem bestimmten Zeitpunkt vom jeweiligen Sender getroffen.
Hatten Sie keinen Vertrag?
Bei Serien ist es oft so, dass man einen Vertragszeitraum von einem Jahr bekommt. Dieses Jahr muss man sich freihalten, und dann klappt es oder es klappt nicht. Es ist immer eher eine einseitige Verpflichtung, denn praktisch jede Produktion behält sich vor, aus sogenannten „dramaturgischen Gründen“ den Vertragszeitraum anzupassen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Leider hatte ich, kurz bevor ich vom Ende meiner Zeit dort erfuhr, zwei große Theaterverträge in Aussicht, die ich absagen musste.
Ich war zwar froh, dass ich nicht mehr hin und her fahren musste und wieder mehr bei meiner Familie sein konnte, aber finanziell muss man natürlich auch planen können. Als Schauspieler stehst du manchmal einfach zwischen den Fronten.
… und bist wenig abgesichert.
Genau, weil man als Schauspieler meist keine nahtlos ineinander übergehenden Verträge bekommt. Dazu kommt, dass es in dieser Branche nicht besser, sondern eher schlechter wird. Die Gagen stagnieren schon seit Jahrzehnten oder werden sogar deutlich schlechter. In allen Abteilungen wird massiv gespart. Es wird teilweise für die Hälfte gedreht, zum Beispiel bei den Streamingdiensten. Natürlich findet sich immer jemand, der für weniger Geld arbeitet. Jeder Schauspieler will sich zeigen. Gerade junge Leute müssen aufpassen. Da heißt es dann: „Du hast hier doch eine große Chance.“ Aber es ist eben nicht nur eine Chance, sondern auch ein Risiko.
Welches Risiko trägt man?
