Vier Menschen sterben bei Unfall
Überholen auf der Landstraße: Der tödliche 600-Meter-Irrtum
08.10.2026 – 11:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Bei einem schweren Unfall nördlich von Berlin sterben vier Menschen. Das Unglück zeigt: Wie viel Platz und Zeit ein Überholmanöver auf der Landstraße tatsächlich erfordert, wird im Alltag systematisch unterschätzt.
Am Mittwochabend sind bei Biesenthal vier junge Menschen bei einem Verkehrsunfall gestorben. Laut Polizei wollte ein 61-jähriger Autofahrer mehrere Fahrzeuge überholen und stieß dabei frontal mit drei entgegenkommenden Mopeds zusammen.
Der Unfall lenkt die Aufmerksamkeit auf das risikoreichste Manöver im Straßenverkehr. Fehler beim Überholen zählen zu den häufigsten Ursachen schwerer Unfälle. Innerhalb weniger Sekunden treffen hier mehrere risikoreiche Faktoren aufeinander: die eigene Geschwindigkeit, der Abstand, der Gegenverkehr und die Reaktionszeit der anderen Verkehrsteilnehmer.

Sekundenentscheidung ohne Zögern
Vor dem Ausscheren entscheidet eine Reihe von Faktoren über Sicherheit oder Unfall. Neben dem ausreichenden Abstand zum Vordermann ist auch der prüfende Blick in den Rückspiegel auf den nachfolgenden Verkehr wichtig. Auch das Wetter, die Sichtverhältnisse und die Geschwindigkeit des vorausfahrenden Autos beeinflussen den Ausgang eines Überholvorgangs.
Die Beschleunigung des eigenen Fahrzeugs spielt eine entscheidende Rolle. Wer beim Ausscheren oder beim Tritt aufs Gaspedal zögert, verlängert die Zeit auf der Gegenfahrbahn erheblich. Mit jeder verstreichenden Sekunde steigt das Risiko, da sich die Verkehrslage während des Manövers jederzeit unvorhersehbar ändern kann.
Die unterschätzte Strecke
Der tatsächliche Weg, den ein Auto während des Überholens auf der Gegenspur zurücklegt, ist deutlich länger als häufig angenommen. Laut ADAC benötigt ein Autofahrer bei Tempo 100 und unter Einhaltung aller Sicherheitsabstände fast 600 Meter Überholstrecke, um einen mit 80 km/h fahrenden Lkw zu überholen.
Diese Werte gelten unter optimalen Bedingungen. Muss das überholende Auto jedoch erst mühsam von einer niedrigen Geschwindigkeit aus beschleunigen, verlängert sich der benötigte Weg deutlich.

Für eine sichere Einschätzung müssen Autofahrer außerdem die Geschwindigkeit des Gegenverkehrs berücksichtigen. Ein entgegenkommendes Auto mit 100 km/h legt in derselben Zeit ebenfalls rund 600 Meter zurück. Die notwendige freie Strecke wächst also auf deutlich mehr als 1.200 Meter.
In diesem Beispiel dauert der Überholvorgang rund 20 Sekunden. Deshalb gilt die Grundregel: Wer überholt, muss mehr als die doppelte Strecke des eigentlichen Überholwegs frei überblicken können.
Im Zweifel auf der Spur bleiben
Das sicherste Verhalten ist der Verzicht auf das Überholen. Wer die gesamte Überholstrecke nicht sicher überblicken kann, bleibt hinter dem langsameren Fahrzeug. Bei schlechter Witterung wie Regen, Schnee oder Glatteis ist das Ausscheren auf die Gegenspur ohnehin keine Option.