Nach Anschlag auf CSD
Vater von Abdul B. äußert sich
27.07.2026 – 08:07 UhrLesedauer: 2 Min.
Tawfik B. beschreibt seinen Sohn als großzügig und liebevoll. Für die Tat hat er nur eine Erklärung.
Was bewegte den mutmaßlichen CSD-Attentäter Abdul B. zu seiner Tat? Während die Ermittler weiter nach den Motiven suchen, hat sich der Vater des getöteten Tatverdächtigen gegenüber dem „Spiegel“ geäußert.
Tawfik B. beschreibt Sohn Abdul gegenüber dem Magazin als „großzügig, emotional, liebevoll“ – er habe das „Herz eines Kindes“ gehabt. Für den Anschlag, bei dem am Samstagabend im Berliner Tiergarten eine Frau starb und 29 Menschen verletzt wurden, hat der 64-Jährige nur eine Erklärung: Sein Sohn sei einer Gehirnwäsche unterzogen worden.
- Anschlag auf CSD in Berlin: Abdul B. ist tot – warum war er auf freiem Fuß?
„Er hat mich angerufen und wir haben ganz normal gesprochen, wie jeden Tag. Er sagte, dass er mich vermisst und er sich wünschte, jetzt mit uns im Libanon zu sein“, sagte Tawfik B. dem „Spiegel“. Die letzte Nachricht seines Sohnes habe er um 21.53 Uhr erhalten – kurz danach soll Abdul B. den Wagen in die Menschenmenge gesteuert haben.
Abdul B. wurde bei Einsatz in Spandau getötet
Abdul B. soll am Samstagabend mit einem weißen Minivan auf Passanten im Berliner Tiergarten zugefahren sein. Nach einer Kollision mit einem Baum soll er mit einer Machete weitere Menschen verletzt haben, bevor er floh. Spezialeinsatzkräfte drangen am Sonntagabend in eine Gartenlaube in Berlin-Spandau ein, in der sich B. befand. Abdul B. soll mit einem Messer auf die Einsatzkräfte losgegangen sein. Die Polizisten gaben tödliche Schüsse ab.
Laut der Berliner Generalstaatsanwaltschaft war Abdul B. dem islamistischen Milieu zuzurechnen und soll mit dem Islamischen Staat (IS) sympathisiert haben. Er war wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu 22 Monaten Jugendstrafrecht verurteilt worden. Die Strafaussetzung zur Bewährung war laut Generalstaatsanwaltschaft und Kammergericht für ein halbes Jahr zurückgestellt, ein bestehender Untersuchungshaftbefehl aufgehoben worden. Abdul B. sei zudem in den Libanon gereist, um sich – erfolglos – dem IS anzuschließen. Er habe noch an einem Deradikalisierungsseminar teilnehmen sollen.
Vater vermutet Gehirnwäsche
„Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen“, sagte Tawfik B. dem „Spiegel“. Der Vater bezeichnete sich dem Magazin gegenüber als Schiiten, aber nicht als „extrem religiös“. Mit seinem Sohn habe er häufig über dessen Bart gestritten. „Ich habe ihm nicht erlaubt, einen langen Bart zu tragen“, sagte er dem „Spiegel“.
Nach Angaben des Vaters besuchte Abdul B. die Schule bis zur zehnten Klasse und arbeitete danach als Sicherheitsmitarbeiter und Fahrer, ohne je einen festen Job gehabt zu haben. Ein Nachbar sagte einer Reporterin von t-online, Abdul B. sei unauffällig gewesen. „Es ist kein Indiz dagewesen dafür, dass ich sage, der würde so einen Anschlag machen.“
