Übernahmeangebot aus den USA

US-Konzern greift nach deutschem Traditionsunternehmen


21.09.2026 – 13:45 UhrLesedauer: 3 Min.

Apfelkorn von Berentzen (Archivbild): Die Mischung aus Weizenkorn und Apfelsaft brachte dem Unternehmen den entscheidenden Erfolg. (Quelle: Berentzen)

Sazerac will die Berentzen-Gruppe übernehmen. Der Hersteller von Apfelkorn und Puschkin-Wodka hat einem entsprechenden Zusammenschluss bereits zugestimmt.

Die Berentzen-Gruppe hat eine Zusammenschlussvereinbarung mit dem US-Unternehmen Sazerac unterzeichnet. Der auf Whiskey spezialisierte Konzern will den niedersächsischen Spirituosenhersteller aus Haselünne im Emsland übernehmen und bietet dafür 5,55 Euro je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von rund 68 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Voraussetzung für den Vollzug des Angebots ist, dass Sazerac mindestens 50 Prozent der Anteile plus eine Aktie übernehmen kann.

Die Berentzen-Aktie war zuletzt rund 35 Millionen Euro wert. Für Sazerac, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als sechs Milliarden Dollar erzielte, ist eine solche Übernahme finanziell leicht zu stemmen.

Vorstand und Aufsichtsrat der Berentzen-Gruppe unterstützen die Übernahme. „Wir sehen darin eine hervorragende Chance“, erklären sie. Sazerac könne als „kapitalstarker Partner“ bei Innovation, Vertrieb und Internationalisierung einen Unterschied machen, heißt es weiter. Nach Abschluss der Übernahme soll die Berentzen-Aktie von der Börse genommen werden.

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Vom Familienbetrieb zum Börsenkonzern

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1758 zurück, als Johann Bernhard Berentzen in Haselünne eine Kornbrennerei gründete. Den entscheidenden Erfolg brachte 1976 die Mischung aus Weizenkorn und Apfelsaft: der Apfelkorn, erfunden von den Brüdern Friedrich und Hans Berentzen. 1988 fusionierte die Brennerei mit der Weinbrennerei Pabst & Richarz zur heutigen Berentzen-Gruppe. 1994 ging das Unternehmen als bislang einziger deutscher Spirituosenhersteller an die Börse.

Die Hauptversammlungen der Berentzen-Gruppe waren lange für ihre ungewöhnliche Atmosphäre bekannt. Bis 2005 wurden sie in Haselünne wie ein Volksfest gefeiert, die Produkte der Unternehmensgruppe schenkte man den Aktionären als Naturaldividende großzügig aus. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien galten unter Anlegern deshalb auch als beliebte „Eintrittskarte“ zu den Treffen.

Kursabsturz und Rückzug der Eigentümerfamilien

Nach anfänglichen Kurserfolgen stürzte die Aktie ab: Vom Allzeithoch des Jahres 1996 über 35 Euro fiel der Kurs bis 2003 auf nur noch 3 Euro, ein Verlust von mehr als 90 Prozent. Der Inlandsumsatz im Spirituosengeschäft schrumpfte im selben Zeitraum von über 200 Millionen Euro auf 104 Millionen Euro zusammen. Im Sommer 2008 zogen sich die Eigentümerfamilien Berentzen, Pabst, Richarz und Wolff größtenteils zurück und verkauften rund 75 Prozent der Stammaktien an den Münchner Finanzinvestor Aurelius.

Blick auf einen Gebäudeteil des Spirituosenherstellers Berentzen in Haselünne (Landkreis Emsland). (Quelle: Friso Gentsch/dpa/Archivbild/dpa)
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