Autotest

Preisbrecher: Überzeugt der Geely E2 im Kleinwagen-Segment?

22.09.2026 – 13:24 UhrLesedauer: 4 Min.

Modern, aber nicht zu extravagant: Das Design des Geely E2 lässt sich durchaus als massentauglich einstufen. (Quelle: Thorsten Weigl/Geely/dpa-tmn/dpa-bilder)

Daheim in China ist er ein Bestseller. Jetzt will es Geely mit dem E2 auch bei uns versuchen. Wo er VW ID. Polo & Co. gefährlich werden kann – und wo eher nicht.

Dass die Chinesen den deutschen Autoherstellern mittlerweile auch daheim heftig zusetzen, daran haben wir uns so langsam gewöhnt. Doch jetzt wird es womöglich noch ernster. Denn nun schicken sie eines ihrer erfolgreichsten Modelle in den Export und verkaufen den Geely Xingyuan als E2 auch bei uns.

Zu Preisen ab 19.990 Euro lässt er die Kleinwagen-Offensive der europäischen Hersteller förmlich ins Leere laufen und unterbietet Modelle wie den VW ID. Polo oder den Renault R5 um gleich mehrere tausend Euro.

Und anders als Preisbrecher wie der Leapmotor T03 oder der BYD Dolphin Surf gibt der Geely dabei nicht das spartanische Sparbrötchen auf schmaler Spur, sondern überzeugt mit einer soliden Ausstattung, einem vorbildlichen Sicherheitspaket und alltagstauglichen Abmessungen.

Außen gewöhnlich, innen geräumig

Vergleichsweise unauffällig und deshalb massentauglich gezeichnet, misst der E2 4,14 Meter und ist damit eine Handbreit länger als etwa der ID. Polo. Und die Chinesen nutzen das Format geschickt: Bei 2,65 Metern Radstand und einem flachen Boden sitzen deshalb zwei Erwachsene auch auf der Rückbank vernünftig.

Der Stauraum ist zudem üppig: Allein der Kofferraum fasst mit 375 Litern so viel wie bei einem VW Golf und lässt sich auf bis zu 1.320 Liter erweitern. Dazu haben zumindest Ladekabel und Verbandskasten unter der Bughaube in einem Frunk von 70 Litern Platz.

Gute Gestaltung und hochwertige Anmutung: So hat der Tester das Interieur erlebt. (Quelle: Geely/Thorsten Weigl)

In der Kabine gibt es noch zwei pfiffige Details für Praktiker. So haben die Entwickler statt eines klassischen Handschuhfachs eine riesige Schublade ins Armaturenbrett gezimmert und unter der Rückbank ein weiteres Staufach herausgeschnitten.

Edle Materialien und ein enges Sicherheitsnetz

Aber es sind nicht nur die Platzverhältnisse, die den Unterschied zu anderen Preisbrechern machen. Auch Ambiente und Ausstattung sind ungewöhnlich: Die Materialqualität wirkt hochwertig, die Sitze sind dick gepolstert, es gibt ein kleines Display hinter dem Lenkrad sowie ein großes vor der Mittelkonsole, und das Sicherheitsnetz ist engmaschig geknüpft.

Die linke Spur? Seinen Stammplatz dürfte sich der maximal 130 km/h schnelle Geely E2 woanders suchen. (Quelle: Geely/Thorsten Weigl)

Ja, die zwei Dutzend Assistenten sind wie so oft bei chinesischen Herstellern etwas nervös und deshalb schnell nervig. Aber zusammen mit sieben serienmäßigen Airbags und einer entsprechend steifen Karosserie sichern sie dem E2 mit fünf Sternen im Euro-NCAP eine Bestwertung, die in dieser Klasse längst nicht alle erreichen.

Fit für den europäischen Verkehr

Also alles bestens an der Basis und eine große Gefahr für die Stammspieler? Auf den ersten Blick vielleicht schon – zumal es zum Preisvorteil auch noch ein üppiges Garantieversprechen über acht Jahre und 200.000 Kilometer gibt und einen Bonus beim Ladepartner EnBW. Aber spätestens, wenn es ums Fahren geht, verblasst der Glanz des chinesischen Champions spürbar.

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