Nach mehr als 150 Jahren
Traditionsunternehmen geht an chinesischen Konzern über
24.06.2026 – 08:52 UhrLesedauer: 2 Min.
Mehr als 150 Jahre prägte Stoll den schwäbischen Produktionsstandort Reutlingen – nun ist Schluss. Die Marke geht ausgerechnet an den größten Konkurrenten.
Ein deutsches Traditionsunternehmen ist nach mehr als 150 Jahren verkauft worden. Die Marke des früheren Strickmaschinenherstellers Stoll aus Reutlingen geht nun an einen chinesischen Konzern. Auch ausgewählte Immobilien am früheren Stammsitz in Baden-Württemberg sollen Teil der Vereinbarung sein.
Die H. Stoll AG & Co. KG wurde 1873 gegründet und galt lange als einer der führenden Hersteller von Flachstrickmaschinen weltweit. Besonders bekannt war das Unternehmen für sogenannte „knit and wear“-Maschinen, mit denen mehrere Arbeitsschritte bei der Herstellung von Kleidung kombiniert werden konnten. 2020 hatte die hessische Karl Mayer Gruppe den Betrieb übernommen. Im Oktober 2025 wurde der Standort in Reutlingen geschlossen, den noch rund 270 Mitarbeitenden wurde gekündigt.
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Nun hat die Karl Mayer Gruppe nach eigenen Angaben eine Vereinbarung zur Übertragung ausgewählter Vermögenswerte der früheren Stoll-Geschäftseinheit unterzeichnet. Dazu gehören die Marke Stoll, ausgewählte Materialbestände sowie bestimmte technologische Anlagen. Käufer ist die Ningbo Cixing Co. Ltd., ein Strickmaschinenhersteller aus China. Das Unternehmen gehört zur Cixing-Gruppe und zählt nach eigenen Angaben zu den großen Herstellern der Branche.
Was Cixing mit den Gebäuden und Vermögenswerten in Reutlingen vorhat, ist bislang unklar. Eine Sprecherin von Karl Mayer bestätigte der „Bild“, dass auch ausgewählte Immobilien in Reutlingen verkauft wurden. Dem „Reutlinger General-Anzeiger“ zufolge sind zudem zwei neue Gesellschaften geplant. Karl Mayer erklärte, die weitere Nutzung der Vermögenswerte liege im Verantwortungsbereich der Cixing-Gruppe. Über künftige Entwicklungen werde der neue Eigentümer informieren.
Chinesische Konkurrenz setzte Stoll unter Druck
Die Betreuung bereits installierter Maschinen soll in der zweiten Jahreshälfte an die Cixing-Gruppe übergehen. Ersatzteile und Support werden demnach weiterhin angeboten, unter anderem über den Karl-Mayer-Standort im hessischen Obertshausen. Einen Verkaufspreis nannte das Unternehmen nicht.
Stoll war ursprünglich in Riedlingen gegründet worden und siedelte 1878 nach Reutlingen über. Über Jahrzehnte stand der Name für schwäbischen Maschinenbau und technische Innovationen. In den vergangenen Jahren geriet das Unternehmen jedoch wirtschaftlich unter Druck. Laut früheren Berichten litt Stoll unter anderem unter billiger Konkurrenz aus China und hatte vor der Schließung Verluste gemacht.










