BSW-Abgeordneter in Moskau
„Es ist in unserem Interesse, wenn wir Putins Empfehlung folgen“
09.04.2026 – 15:44 UhrLesedauer: 3 Min.
In Moskau spricht sich der BSW-Abgeordnete Thomas Geisel dafür aus, Europas und Russlands Kräfte zu bündeln. Gleichzeitig kritisiert er das Urteil gegen den Karnevalswagenbauer Jaques Tilly.
Der BSW-Europaabgeordnete Thomas Geisel ist nach Moskau gereist und hat dort für eine Annäherung der Europäischen Union an Russland plädiert. „Es ist natürlich in unserem Interesse, zu verstehen, dass Europa so viel mehr erreichen kann, wenn wir Präsident Putins Empfehlung folgen, und die Fähigkeiten der Europäischen Union mit Russlands Ressourcen und Potenzialen verbinden“, sagte Geisel am Mittwoch auf einem Wirtschaftsforum in der russischen Hauptstadt. Der erste Schritt, „heiße und kalte Kriege“ zu überwinden, seien Gespräche und Austausch auf allen Ebenen.
Geisel kritisierte in diesem Zusammenhang das Urteil eines Moskauer Gerichts gegen den Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jaques Tilly. Der Bildhauer war vor wenigen Tagen aufgrund seiner Karnevalswagen, die den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den von ihm befohlenen Krieg gegen die Ukraine kritisierten, in Abwesenheit zu mehr als acht Jahren Haft verurteilt worden. Geisel sagte dazu, das Urteil ignoriere langjährige deutsche Karnevalstraditionen und spiele in die Hände „russophober Ideologen“, die glaubten, Russland solle nicht Teil Europas sein.
Das Podium in Moskau teilte Geisel unter anderem mit dem faschistischen Ideologen Alexander Dugin und dem iranischen Botschafter in Russland, Kazem Jalali. Von deren Teilnahme sei er überrascht worden, sagte Geisel t-online am Donnerstag. Dugin sei „wohl kurzfristig eingesprungen“, auch der iranische Botschafter sei ursprünglich nicht als Redner vorgesehen gewesen.
„Ich habe für eine Politik der kleinen Schritte plädiert, die zu einer Entspannung unseres Verhältnisses zu Russland beitragen kann, und damit vielleicht auch dazu, den Krieg in der Ukraine zu beenden“, sagte Geisel. Zu Gesprächen über das Podium hinaus sei es nicht gekommen. Er habe aber das Gefühl, „dass viele russische Kollegen peinlich berührt sind von dem Prozess gegen Jaques Tilly“.
Der Auftritt reiht sich in Bemühungen fast aller Europaabgeordneter des BSW ein, kontinuierliche Kontakte zu Vertretern des russischen Staats aufzubauen. Geisel selbst und Jan-Peter Warnke waren in den vergangenen Monaten bei Videokonferenzen mit dem Komitee für internationale Angelegenheiten der russischen Duma zugeschaltet. Organisiert werden diese Konferenzen vom Luxemburger Europaabgeordneten Fernand Kartheiser, der am Mittwoch in Moskau am gleichen Podium teilnahm wie Geisel.
Bereits im Mai 2025 waren die Abgeordneten Michael von der Schulenburg und Ruth Firmenich zum Tag des Sieges nach Moskau gereist – mit der Unterstützung des Einflussnetzwerks des Oligarchen Viktor Medwedtschuk, wie t-online exklusiv berichtete. Ihm schreiben europäische Sicherheitsbehörden zu, mit Bestechungsgeldern Einfluss auf europäische Politik zu suchen.
