Von Rock bis Pop und von Goth bis New Wave: The Cure haben die alternative Musikkultur in den 1980er- und 1990er-Jahren geprägt. Nun spielen sie mehrere Shows in Berlin. So war es am ersten Konzertabend.

Wenn eine Band die Parkbühne Wuhlheide in Berlin an drei Abenden hintereinander ausverkauft, gilt in der Regel mindestens eines dieser Kriterien: Die Musiker haben einen gewissen Kultstatus. Oder sie verfügen über eine enorme Live-Qualität. Auf The Cure trifft beides zu.

Die Band um Frontmann Robert Smith lockt am Wochenende insgesamt 50.000 Menschen in den Osten der Hauptstadt. Die Fans, die meisten deutlich über 40 Jahre alt, wollen ihre Helden, die melancholischen Pop-Visionäre, die Chronisten der Sehnsucht, live sehen. Zuletzt traten The Cure 2022 in der damaligen Mercedes-Benz-Arena auf.

The Cure: „Wir hatten einen schwierigen Tag“

Schon am ersten der drei Konzertabende wird klar: Vier Jahre Warten haben sich gelohnt. The Cure spielen ein druckvolles Konzert mit glasklarem Sound, das die Dunkelheit in Schönheit verwandelt und die Fans durch Melancholie schweben lässt.

Und das, obwohl The Cure nur ein 26-Song-Set spielen. Für die Verhältnisse der Band ist das kurz. Außerdem fällt Bassist Simon Gallup kurzfristig krankheitsbedingt aus, für ihn steht sein Sohn Eden am Bass. Vor dem Dark-Wave-Schlaflied „Lullaby“ sagt Smith später, dass er das Lied Gallup Senior widme. Woran der Bassist erkrankt ist und ob er bei den anderen Konzerten in Berlin wieder dabei ist, bleibt unklar. „Wir hatten einen schwierigen Tag“, sagt Smith lediglich mehrfach. „Danke, dass ihr den Abend mit uns verbringt.“

Robert Smith von The Cure: Als er auf die Bühne kommt, lässt er seine Blicke schweifen. (Quelle: IMAGO/Berlinfoto)

Zuvor kommt Smith um 20.35 Uhr bedächtig und mit gefalteten Händen auf die Bühne. Er schaut sich um und grinst Fans an, die ihm Botschaften auf Plakaten entgegenhalten.

Er wirkt wie ein zurückhaltender Herr, der nett lächelt, wenn man ihm die Tür aufhält. Doch wenn er Gitarre spielt und singt, fühlt es sich an, als gehöre ihm die Welt. Mit seinem dunklen Strubbelhaar, dem leicht verschmierten roten Lippenstift und den mit schwarzer Schminke umzogenen Augen steht er in der Wuhlheide. Alles an seinem Erscheinungsbild ist eine Aussage: Smith gibt sich extravagant und unperfekt.

Die Band rund um den Frontmann startet mit zwei Stücken vom Album „Disintegration“ (1989) ins Konzert: Vom erfolgreichsten Album der Band spielen The Cure gleich zu Beginn den atmosphärischen „Plainsong“ und den emotionalen Höhepunkt der Platte, „Pictures of You“.

Hüftschwung von Robert Smith sorgt für Applaus

Im Laufe des Abends folgen viele Hits der Band: „Just Like Heaven“ mit seinen hellen Gitarren und dem treibenden Rhythmus, der dem Song trotz aller Leichtigkeit viel Kraft verleiht. „Lovesong“, der musikalisch auf Zurückhaltung setzt, wodurch Smiths Stimme besonders eindringlich zur Geltung kommt. „A Forest“ mit seinem markanten Basslauf und den sich langsam steigernden Gitarren, ehe Smith zum Schluss in die Menge ruft: „I’m running towards nothing. Again and again and again…“.

Share.
Exit mobile version