Ausflugstipp in Niedersachsen
Gruseliges Detail: Die Kirche mit den drei eisernen Käfigen
Aktualisiert am 01.05.2026 – 22:14 UhrLesedauer: 2 Min.
Kirchen sind eine beliebte Touristenattraktion. In Münster gibt es eine mit gruseligen Details, die an die düstere Vergangenheit der Stadt erinnern.
Die Studentenstadt Münster ist nicht weit von der niedersächsischen Grenze entfernt und lohnenswert für einen Ausflug. Eine besondere Sehenswürdigkeit befindet sich im Zentrum der westfälischen Stadt.
Am Prinzipalmarkt steht die römisch-katholische Pfarrkirche St. Lamberti mit einer Jahrtausend alten Geschichte. Um 1000 wurde eine erste kleine Kirche erbaut. Diese blieb nur etwa 100 Jahre stehen, es folgten drei weitere Bauten, die jedoch ebenfalls durch neue Gotteshäuser ersetzt wurden. Die heutige Kirche St. Lamberti wurde zwischen 1375 und 1450 errichtet. Sie gelte als einer der wichtigsten spätgotischen Hallenbauten Westfalens, teilt die deutsche Stiftung Denkmalschutz mit.
Wer genau hinschaut, entdeckt ein morbides Detail an der Fassade. Dort sind drei eiserne Käfige zu sehen, die eine gruselige Vergangenheit haben. 1536 wurden die Leichen von den drei Anführern der Wiedertäufer öffentlich in den Käfigen zur Schau gestellt. Zunächst wurden sie auf dem Prinzipalmarkt vor Tausenden Zuschauern gefoltert und getötet. Die Wiedertäufer hatten zwei Jahre zuvor Heiligenbilder, Altäre und Epitaphien von St. Lamberti verwüstet und zerstört.
Das Täuferreich von Münster war eine radikale Episode der Reformation, die etwa 1,5 Jahre andauerte. Die Täufer wollten eine radikale Erneuerung des Christentums und idealisierten Werte der urchristlichen Gemeinde. Sie lehnten die Kindertaufe ab und befürworteten die Erwachsenentaufe. Die Täufer beherrschten die Stadt und warteten auf den Tag des Jüngsten Gerichts – dem Ende der Welt. Das radikale Regime endete nach einem Verrat. Der protestantische Fürstbischof Franz von Waldeck eroberte Münster im Jahr 1535 zurück.
Die „Täuferkörbe“ hängen noch immer an der Kirchenfassade. 1585 sollen die letzten Knochenreste zu sehen gewesen sein. Wer sich das historische Relikt anschauen möchte, hat es aus Hannover nicht weit. Die Fahrt aus der niedersächsischen Landeshauptstadt nach Münster dauert mit dem Auto weniger als 2,5 Stunden. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist man etwas schneller am Ziel.
