Laut Studie

Süßstoffe beeinflussen Blutzucker womöglich stärker als gedacht


04.07.2026 – 09:02 UhrLesedauer: 2 Min.

Person gibt Süßstoff ins Getränk (Symbolbild). Süßstoffe können eine 30- bis 37.000-fach höhere Süßkraft als Haushaltszucker haben. (Quelle: nensuria/getty-images-bilder)

Süßstoffe gelten gemeinhin als „gesunde“ Zuckeralternative. Doch eine neue Analyse deutet auf mögliche Nachteile für den Blutzucker hin.

Ob in Light-Getränken, Desserts oder Kaugummis: Kalorienfreie und -arme Süßstoffe sollen Zucker einsparen, ohne den Blutzucker zu belasten. Eine kürzlich veröffentlichte Übersichtsarbeit legt jedoch nahe, dass sie den Stoffwechsel möglicherweise stärker beeinflussen als bisher angenommen. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Current Atherosclerosis Reports“.

Hinweise auf Veränderungen des Zuckerstoffwechsels

Für die Übersichtsarbeit werteten Forscher der Tufts University 21 randomisierte klinische Studien mit Erwachsenen aus. Dabei verglichen sie den Konsum kalorienfreier Süßstoffe (darunter Aspartam, Sucralose, Saccharin und Acesulfam K) mit kalorienfreien Alternativen wie Wasser oder Placebos.

Das Ergebnis: Teilnehmer, die Süßstoffe konsumierten, hatten im Durchschnitt höhere Nüchtern-Insulinwerte und höhere HbA1c-Werte. Der Langzeitzuckerwert HbA1c gibt Auskunft darüber, wie hoch der Blutzucker in den vorangegangenen zwei bis drei Monaten war. Die erhöhten Werte weisen darauf hin, dass die Körperzellen womöglich weniger gut auf Insulin reagieren, also dass sich die Insulinempfindlichkeit verschlechtert haben könnte.

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Spielt der Darm eine Rolle?

Als mögliche Ursache für diese Ergebnisse kommen den Forschern zufolge Veränderungen der Darmflora (auch Mikrobiom genannt) infrage. Die kalorienfreien Süßstoffe gelangen weitgehend unverändert in den Darm und kommen dort mit den Darmbakterien in Kontakt. Einzelne Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Süßstoffe die Zusammensetzung und die Funktion der Darmflora verändern könnten. Da das Mikrobiom den Stoffwechsel beeinflusst, wäre dies ein möglicher Erklärungsansatz.

Gut zu wissen

Kalorienfreie Süßstoffe galten lange als überwiegend neutral für den Darm. Man ging davon aus, dass sie den Verdauungstrakt gewissermaßen unbeeinflusst passieren. Inzwischen mehren sich jedoch Hinweise darauf, dass sie sich keineswegs so neutral verhalten wie lange angenommen.

Kein Beweis für möglichen Schaden

Die Autoren der Studie betonen allerdings, dass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind. Denn die untersuchten Süßstoffe unterscheiden sich chemisch teils deutlich und könnten unterschiedliche Wirkungen haben. Zudem zeigen Beobachtungsstudien zwar Zusammenhänge zwischen Süßstoffkonsum und einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, sie können jedoch keine Ursache belegen. Möglicherweise greifen Menschen mit Übergewicht oder Diabetes auch häufiger zu Light-Produkten.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Den Forschern zufolge können kalorienfreie Süßstoffe weiterhin sinnvoll sein, wenn sie große Mengen Zucker ersetzen, etwa in Softdrinks. Als völlig unbedenklich sollten sie jedoch nicht betrachtet werden. Bis belastbarere Langzeitstudien vorliegen, raten die Wissenschaftler dazu, Süßstoffe möglichst sparsam zu verwenden und insgesamt auf eine ausgewogene Ernährung mit wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln zu achten.

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