Typ-2-Diabetes

Überraschender Faktor könnte den Schweregrad beeinflussen


29.05.2026 – 12:36 UhrLesedauer: 2 Min.

3D-Illustration des Dünndarms (Symbolbild): In der Diabetesforschung fand die Dünndarmflora bislang wenig Beachtung. (Quelle: Artur Plawgo/getty-images-bilder)

Ein Typ-2-Diabetes kann mild, aber auch sehr schwer verlaufen. Mitentscheidend für den Verlauf ist womöglich die bakterielle Besiedlung des Dünndarms.

Auf dem von der Deutschen Diabetes Gesellschaft veranstalteten Diabeteskongress 2026, der kürzlich in Berlin stattfand, hat ein Tübinger Forschungsteam von seiner aktuellen Arbeit berichtet. Danach hängt die Entstehung eines Typ-2-Diabetes ebenso wie dessen Schweregrad deutlich mit der Bakteriendichte im Dünndarm zusammen.

Viele Faktoren begünstigen Typ-2-Diabetes

Typ-2-Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, die ohne Behandlung zu einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel führt. Schuld daran ist eine Insulinresistenz, was bedeutet, dass die Körperzellen unempfindlicher gegenüber dem Hormon Insulin sind. Damit verliert das in der Bauchspeicheldrüse gebildete Insulin, das normalerweise die Aufnahme des Blutzuckers in die Körperzellen reguliert, seine Wirkung. Zu den Risikofaktoren für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes zählen unter anderem Übergewicht und Adipositas.

Dünndarm in Diabetesforschung bislang kaum beachtet

Dass die Darmflora – also die Gesamtheit der Mikroorganismen im menschlichen Darm – Einfluss auf Adipositas, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes hat, ist bereits bekannt. Untersuchungen der Darmflora erfolgen laut der Tübinger Forschungsgruppe allerdings meist anhand von Stuhlproben. Die Mikroorganismen im obersten Darmabschnitt, dem Dünndarm, sind daher noch wenig untersucht. Genau dort finden jedoch die Nährstoffaufnahme sowie die Bildung der Darmhormone, die die Insulinproduktion anregen, hauptsächlich statt.

Aktuelle Arbeit legt Fokus auf Dünndarmflora

Daher wollte das Forschungsteam den Zusammenhang zwischen der Dünndarmflora und Typ-2-Diabetes untersuchen. Dazu sammelte es Flüssigkeiten aus dem mittleren Abschnitt des Dünndarms, dem Jejunum. Die Proben stammten von 627 Personen, die sich einer Operation zur Gewichtssenkung unterzogen hatten.

Aus den Proben isolierte das Team die DNA der darin enthaltenen Mikroorganismen, um drei Gruppen von ihnen zahlenmäßig zu erfassen: Bakterien, Pilze und Archaeen. Letztere sind wie auch Bakterien einzellige Organismen ohne Zellkern, unterscheiden sich aber genetisch stark von den Bakterien und bilden daher eine eigene Gruppe.

Zudem ermittelte das Team bei den teilnehmenden Personen den Schweregrad des Typ-2-Diabetes. Dazu bestimmte es den jeweiligen Subtyp der Erkrankung. Fachleute unterscheiden derzeit vier Subtypen, von denen zwei eher mild und zwei schwer verlaufen:

  • Ein Beispiel für einen eher milden Subtyp ist der moderate Übergewichtsdiabetes (mild obesity-related diabetes, MOD). Betroffene haben eine Adipositas bei normaler Insulinproduktion.
  • Ein schwerwiegender Subtyp ist etwa der schwere insulinresistente Diabetes (severe insulin-resistant diabetes, SIRD). Betroffene haben eine schwere Adipositas bei erhöhter Insulinproduktion und ausgeprägter Insulinresistenz. Sie entwickeln eher Komplikationen wie eine diabetische Nierenerkrankung, eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung, Leberfibrose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dünndarmproben liefern neue Erkenntnisse

Die Untersuchungen ergaben, dass sich bei Menschen mit Typ-2-Diabetes deutlich mehr Bakterien im Dünndarm tummeln als bei solchen mit gesundem Stoffwechsel. Besonders ausgeprägt fiel dieser Unterschied bei Personen mit dem SIRD-Subtyp aus: Die Proben dieser Hochrisikogruppe enthielten deutlich mehr bakterielle DNA als die von Personen mit dem MOD-Subtyp.

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