Debatte in vollem Gange
Gardasee: Ärger über Fahrradfahrer
29.04.2026 – 11:03 UhrLesedauer: 2 Min.
Menschenmassen, Autos und nun auch Fahrräder: Am Gardasee gibt es in der Urlaubssaison von allem zu viel. Die Einheimischen diskutieren über Lösungen.
Am Gardasee ist eine neue Debatte über den Umgang mit Radfahrern entbrannt. Auslöser ist der Hilferuf des Bürgermeisters von Gardone Riviera. Er hatte angesichts immer längerer Fahrradkolonnen auf den Uferstraßen gewarnt und ein Fahrradverbot zur Diskussion gestellt. Jetzt widerspricht ein anderer Kommunalpolitiker deutlich und warnt vor vorschnellen Verboten.
„Fahrräder auf der Gardesana zu verbieten, ist unsinnig“, sagte Filippo Gavazzoni, zweiter Bürgermeister von Peschiera del Garda, der Tageszeitung „Il Dolomiti“. „Es sind Bürger, die wie andere auch das Recht haben, die Straßen zu nutzen.“
Der Gardasee zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen Italiens. Die Gegend ächzt seit Jahren unter dem Druck des Massentourismus. Mit dem Start der Saison im Mai nimmt der Andrang hier wieder deutlich zu. Neben klassischen Urlaubern zieht es auch immer mehr Radsportler an den See. Vor allem Gruppen von Rennradfahrern nutzen die kurvenreichen Uferstraßen für Trainingsfahrten, das Ganze oft in langen Kolonnen.
Genau das löst Konflikte aus. Autofahrer wagen riskante Überholmanöver, beklagen diese aber auch unter den Fahrradfahrern. Es kommt zu Staus, Einheimische fühlen sich zunehmend gestört. Der Bürgermeister von Gardone Riviera, Adelia Zeni, hatte deshalb Mitte April gefordert, den Zweiradverkehr stärker einzuschränken – bis hin zu möglichen Fahrverboten für Fahrräder.
Gavazzoni hält davon wenig. Verbote seien keine Lösung für ein strukturelles Problem. „Alle haben das Recht, die Straßen zu nutzen – Radfahrer, Autofahrer oder Lieferverkehr“, sagt er. Stattdessen müsse die Einhaltung der Verkehrsregeln stärker kontrolliert werden. Gerade in stark frequentierten Regionen sei Rücksichtnahme entscheidend.
Zugleich verweist er auf die grundsätzliche Herausforderung am Gardasee. Die Infrastruktur stoße längst an ihre Grenzen. Orte wie Peschiera seien nicht nur in der Hochsaison, sondern über viele Monate im Jahr überlastet. Der See sei zwar ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Norditalien, doch weitere Eingriffe in Umwelt und Verkehr müssten sorgfältig abgewogen werden.
Auch Vorschläge, den Verkehr noch mehr auf den See zu verlagern, sieht Gavazzoni kritisch. Der See habe ebenfalls eine begrenzte Belastbarkeit, zudem könne der Schiffsverkehr ökologische Folgen haben.










