Die Sanierung der Kölner Oper ist endlich abgeschlossen – auch zur Freude von Stephan Brings. Doch der Musiker hofft, dass andere Bereiche nicht vernachlässigt werden.

Dünnes Eis – das trifft es wohl ganz gut, wenn wir als Kulturschaffende der freien Szene über die sogenannte Hochkultur schreiben, die aus Steuern und Schulden finanzierte offizielle Kultur und ihre Häuser.

Wir wollten uns auch eine lange Zeit nicht zur Kölner Oper äußern. Aber die nicht endende Berichterstattung in den vergangenen Wochen hat mir keine Ruhe gelassen, weswegen ich mich jetzt doch einmal zu Wort melde – ohne noch einmal die horrenden Kosten und die vielen Fehler bei der Sanierung der Oper auflisten zu wollen.

Die Kölner Oper als „Festung der Freiheit“

Wir wissen sehr wohl, dass die Bühnen der Stadt Köln als Orte der Kultur und der Unterhaltung unverzichtbar sind. Sie sind Arbeitgeber mit Tariflöhnen für Mitarbeiterinnen, die für ihre Jobs brennen. Niemand arbeitet dort nur, um Geld zu verdienen. Da muss schon Leidenschaft im Spiel sein. Wie bei allen, die mit Kunst ihre Brötchen verdienen.

Was mir jedoch aufs Gemüt schlägt, ist die Art, wie bedeutungsvoll über die Bühnen der Stadt Köln gesprochen wird. Es ist immer die Rede vom Ort der Demokratie, von einer Festung der Freiheit, einem Tempel des gesellschaftlichen Austausches, des Zusammenhaltes. Genau dafür stünden Oper und Schauspiel. Und darum seien alle Mühen und Kosten gerechtfertigt gewesen.

„Genau dort wird unsere Freiheit verteidigt“

Das würde ich nie bestreiten. Jedes kölsche Mädche, jeder kölsche Jung kann ab jetzt wieder Gast in Oper und Schauspiel sein und dort an der Standfestigkeit in Sachen Demokratie und Treue zum Grundgesetz arbeiten. Mir würde es allerdings leichter fallen zu applaudieren, wenn das alles nicht parallel zu Kürzungen in Bildung, Sport und freier Kultur passieren würde.

Ein Blick in die Kölner Oper: Nach Jahren der Sanierung kann das Haus endlich öffnen. (Quelle: IMAGO/Horst Galuschka /imago)

Was mir zu kurz kommt, ist der reale Alltag von Menschen in der Stadt, die täglich für den Zusammenhalt aktiv sind. Die als ehrenamtliche Trainerinnen mit Kindern und Jugendlichen in den Veedeln arbeiten. Da sieht der Rückhalt gerade bei finanziellen Notwendigkeiten etwas bescheidener aus: Wartelisten bei Fußballvereinen, keine Wasserzeiten in den Bädern, keine ausreichende Unterstützung für Familien mit geringem Einkommen.

Aber genau dort wird unsere Freiheit verteidigt. Genau dort trifft die echte, die wahre Zusammensetzung der Stadtgesellschaft aufeinander. Hier kicken die Pänz mit Wurzeln aus Kölle, Türkei, Ukraine, Syrien und Ostwestfalen zusammen. Werden zu einer Mannschaft, einem Team. Lernen sich zu akzeptieren. Lernen das Leben in einer vielfältigen Gemeinschaft. Das ist wichtig und nötig.

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