Im Halbfinale des DFB-Pokals am Mittwoch vertraut Kompany vielleicht wieder der Elf aus dem Viertelfinalrückspiel der Champions League, am darauffolgenden Bundesliga-Spieltag gegen Mainz ist dann möglicherweise erneut Musiala in der Startaufstellung. Und irgendwann in den nächsten Wochen wird er dann auch wieder so weit sein, zwei Partien in Folge über 90 Minuten zu bestreiten. Das ist perfektes Management von Kompany.
Der Bayern-Trainer macht es seinem Kollegen Nagelsmann an anderer Stelle aber indes immer schwerer. Ich hatte schon in der Vergangenheit gefordert, dass es der Bundestrainer wie Kompany macht und Joshua Kimmich ins zentrale Mittelfeld neben Pavlović zieht, statt ihn als Rechtsverteidiger aufzustellen. Das hat sich bei den Bayern bewährt – und wer dafür noch einen Beweis gebraucht hat, der hat ihn beim 4:3 gegen Real bekommen. Kimmich und Pavlović funktionieren im Zentrum aktuell derart gut, dass sich auch Leon Goretzka mit seiner Rolle als Ersatzmann abgefunden zu haben scheint. Wie viele Argumente braucht der Bundestrainer noch?
Für die Bayern geht es nun gegen den nächsten Hochkaräter. Real Madrid ist geschafft, im Champions-League-Halbfinale wartet jetzt Paris Saint-Germain. Ich warne davor, Rückschlüsse aus dem 2:1-Sieg aus der Gruppenphase im November zu ziehen. Wer PSG zuletzt im Viertelfinale gegen den FC Liverpool (jeweils 2:0 in Hin- und Rückspiel) und schon zuvor im Achtelfinale gegen den FC Chelsea (5:2 zu Hause, 3:0 auswärts) gesehen hat, der weiß: Diese Mannschaft hat genau im richtigen Moment umgeschaltet auf Modus Titelverteidigung.
Die Elf von Trainer Luis Enrique bringt dazu eine Qualität mit, die Real Madrid zuletzt vermissen ließ: defensive Stabilität. In Achtel- und Viertelfinale kassierten die Franzosen nur zwei Gegentore, Real dagegen – einschließlich der Bayern-Duelle – sieben, die Münchner selbst sechs. Vorn haben sie unter anderem mit Ousmane Dembélé, Desiré Doué und Khvicha Kvaratskhelia absolute Hochkaräter. Das wird eine Aufgabe, es gegen diesen Klub ins Endspiel gegen Atlético Madrid oder den FC Arsenal zu schaffen. Und dann?
Ich erinnere mich dabei an eine eigene leidvolle Erfahrung aus meiner Bayern-Zeit: In der Saison 1998/99 spielten wir im Halbfinale gegen Dynamo Kiew, damals ein Topteam mit Klasseleuten wie Andriy Shevchenko oder Sergiy Rebrov. Im Vorfeld sagte mir ein Bayern-Mitarbeiter, der hier namenlos bleiben soll: „Wenn wir die schlagen, holen wir den Champions-League-Titel nach München.“ Und tatsächlich: Wir setzten uns durch, 3:3 im Hinspiel auswärts, im Rückspiel erzielte Mario Basler das goldene Tor, das uns ins Finale brachte. Ich aber zweifelte. Und am Ende erlebten wir dieses dramatische 1:2 im Endspiel von Barcelona gegen Manchester United. Diese Worte habe ich deshalb bis heute nicht vergessen. Und die Bayern sollten das auch nicht.










