Nach der Kurs-Rally

Studie widerlegt Crash-Angst an der Börse


28.07.2026 – 10:13 UhrLesedauer: 3 Min.

Börse in New York: Ein starkes erstes Halbjahr bedeutet historisch oft Rückenwind bis zum Jahresende. (Quelle: Julia Demaree Nikhinson)

Steigen die Kurse in den ersten sechs Monaten kräftig, rechnen viele mit einem Rückschlag. Historische Daten sprechen jedoch häufig für einen anderen Verlauf – allerdings nicht ohne Risiko.

Die Bilanz des ersten Börsenhalbjahres 2026 kann sich sehen lassen: Der Dax liegt rund 4,5 Prozent im Plus, der US-Index S&P 500 gewinnt etwa 8,3 Prozent und der technologielastige Nasdaq 100 sogar knapp 13 Prozent.

Viele Anlegerinnen und Anleger begegnen einer solchen Entwicklung jedoch mit Skepsis. Sie rechnen damit, dass nach kräftigen Kursanstiegen Gewinnmitnahmen einsetzen und spätestens im Herbst eine Korrektur folgt.

Eine Analyse von HQ Trust kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis: Ein starkes erstes Börsenhalbjahr war historisch häufig kein Warnsignal. Stattdessen legten die Aktienmärkte im weiteren Jahresverlauf oft weiter zu.

Historische Daten zeigen ein wiederkehrendes Muster

Sebastian Dörr, Kapitalmarktexperte von HQ Trust, analysierte die Entwicklung der wichtigsten regionalen MSCI-Indizes seit 1988. Dazu zählen Nordamerika, Europa, die Pazifikregion, die Schwellenländer sowie der weltweite Aktienindex MSCI All Country World (ACWI).

MSCI

MSCI steht für Morgan Stanley Capital International und ist eines der weltweit größten und einflussreichsten Finanzunternehmen. Der MSCI World umfasst rund 1.500 Aktien aus den 23 wichtigsten Industrieländern (wie USA, Japan, Deutschland). Trotz des Namens fehlen hier die Schwellenländer. Der MSCI All Country World Index ist der echte Welt-Index. Er kombiniert die Industrieländer mit den Schwellenländern (wie China, Indien, Brasilien) und enthält fast 3.000 Unternehmen.

Für jede Region untersuchte er, ob der jeweilige Index im ersten Halbjahr im Plus oder Minus lag. Anschließend wertete er aus, wie sich die Kurse von Juli bis zum Jahresende entwickelten.

Ein positives erstes Halbjahr kam dabei deutlich häufiger vor als ein negatives. Beim MSCI ACWI standen beispielsweise 26 Jahre mit Kursgewinnen in den ersten sechs Monaten lediglich 13 Jahren mit Verlusten gegenüber.

Nach gutem Start ging es oft weiter aufwärts

Die Auswertung zeigt: Fiel das erste Halbjahr positiv aus, legte der MSCI ACWI von Juli bis Jahresende im Durchschnitt um weitere 5,6 Prozent zu. In Nordamerika betrug das Plus im Mittel 5 Prozent, in Europa sogar 6 Prozent.

„Am stärksten fiel dieser Momentum-Effekt in den Schwellenländern aus“, erklärt Dörr. Nach einem guten Jahresauftakt stiegen Aktien aus den Emerging Markets im weiteren Jahresverlauf im Schnitt um weitere 8 Prozent. Etwas schwächer entwickelte sich die Pazifikregion mit durchschnittlich 2 Prozent.

Anders sah es nach einem schwachen ersten Halbjahr aus. „Schloss der MSCI ACWI das erste Halbjahr im negativen Bereich ab, gab der globale Aktienindex im Schnitt auch im zweiten Halbjahr weiter nach. Allerdings hielt sich das Minus mit 0,5 Prozent in Grenzen“, so Dörr.

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