Streit um Bürgerhaus-Auftritt

SPD und Linke wollen Auftritt von Comedian verhindern

15.10.2026 – 17:58 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein Mikrofon auf einer Bühne (Symbolbild): Der geplante Auftritt eines Comedians im November löst Widerstand aus. (Quelle: IMAGO/Marc John/imago)

Zwei Frankfurter Fraktionen werfen einem Comedian rechtsextreme Inhalte vor. Nun fordern sie den Magistrat auf, rechtliche Schritte zu prüfen.

SPD und Linke in Frankfurt verlangen, dass der Comedian Nikolai Binner seinen geplanten Auftritt am 6. November im Saalbau Volkshaus Enkheim nicht bestreiten darf. Beide Parteien werfen Binner rechtsextreme Inhalte vor und fordern den Magistrat sowie die städtische ABG Holding auf, den Mietvertrag zu kündigen.

Die Linke hatte bereits vor einigen Wochen zur Absage aufgerufen. Ihr kulturpolitischer Sprecher Michael Müller erklärte, es sei nicht hinnehmbar, wenn Binner oder andere „extrem Rechte“ in Frankfurt eine Bühne erhielten. „Die Toleranzgrenze wird immer weiter nach rechts verschoben“, so Müller.

Binner stelle das Vertrauen in demokratische Institutionen und die Unabhängigkeit der Presse bewusst infrage. „In Frankfurt darf Hass und Hetze kein Raum gegeben werden, schon gar nicht von einer städtischen Gesellschaft.“ Den Antrag der Linksfraktion, den Mietvertrag zu kündigen, hatte die Römer-Koalition jedoch bereits abgelehnt.

SPD fordert Absage: „Überschreitet rote Linie“

Nun hat auch die SPD einen Aufruf veröffentlicht, den elf parteiinterne Arbeitsgemeinschaften mittragen, darunter die Jusos, queere Gruppen und die Frauen in der SPD. Sie fordern den Saalbau und den Magistrat auf, alle rechtlichen Möglichkeiten zur Absage zu prüfen. Wer für rassistische Hetze, antisemitische Chiffren und queerfeindliche Agitation bekannt sei, dürfe in städtischen Liegenschaften keine Bühne erhalten.

„Menschenverachtung wird nicht dadurch legitim, dass man sie als Comedy tarnt. Wer gezielt die Verharmlosung der Shoah befeuert und Gewalt gegen queere Menschen als Unterhaltung inszeniert, überschreitet jede rote Linie“, heißt es in dem Aufruf.

KI-Clip auf Instagram schlägt hohe Wellen

Wesentlicher Anlass für die Forderung der SPD ist ein Video auf Binners englischsprachigem Instagram-Account „thefunnywarrior“. In dem mit Künstlicher Intelligenz erstellten Clip fahren Monstertrucks über das Holocaust-Mahnmal in Berlin, und es sind körperliche Angriffe auf den Bundeskanzler zu sehen. Eine Figur stürmt mit einem Flammenwerfer auf das Torgebäude des Konzentrationslagers Auschwitz zu, auf dem „271K“ steht. Dieser von Holocaustleugnern verwendete Code soll suggerieren, dass die Nazis „nur“ 271.000 Juden ermordet hätten.

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Die Figur richtet die Waffe anschließend auf das Verlagshaus des „Spiegel“ und auf Menschen, die vor dem Brandenburger Tor mit Pride-Flaggen demonstrieren. Am Ende erscheint eine Figur, die Binner nicht unähnlich sieht und mit einem Maschinengewehr in Richtung der ukrainischen und der jüdischen Flagge sowie der Regenbogenfahne schießt. Darunter steht der Schriftzug: „Follow Germanys most hated comedian @thefunnywarrior“.

„Reh-Migration“ auf T-Shirts

Die SPD sieht darin rassistische Hetze, Gewaltfantasien gegen queere Menschen, Antisemitismus und Shoah-Relativierung. Der Magistrat und die ABG sollten nicht nur den Auftritt absagen, sondern auch die Vergabekriterien für Bürgerhäuser überarbeiten und Mietinteressenten künftig systematisch auf extremistische und diskriminierende Positionen prüfen. Zusätzlich solle ein Verhaltenskodex eingeführt werden.

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