Zivilschutz in deutschen Städten

Besonders in einer Region sieht es schlecht aus


29.05.2026 – 09:13 UhrLesedauer: 7 Min.

Innenminister Alexander Dobrindt (l.) mit Verteidigungsminister Boris Pistorius: Dobrindts Innenministerium will in öffentliche Schutzräume investieren. (Quelle: IMAGO/imago)

Behörden prüfen wieder Bunker, Tiefgaragen und U-Bahn-Schächte für den Ernstfall. Doch in vielen Städten ist vom Schutzraum-Netz kaum mehr als eine Kartei geblieben.

Wo früher Tiefgaragen, U-Bahn-Schächte oder alte Bunkeranlagen kaum Beachtung fanden, sehen Behörden inzwischen genauer hin. Deutschlands Städte bereiten sich wieder stärker auf den Krisen- und Verteidigungsfall vor. Hintergrund sind neue Pläne aus dem Bundesinnenministerium, das Milliarden in den Zivilschutz investieren will.

Nach Regierungsangaben existieren 579 sogenannte „öffentliche Schutzräume“ in Deutschland. Eine Sprecherin erklärt t-online: „Diese sind bezogen auf ihren ursprünglichen Zweck des Schutzes vor den sogenannten CBRN-Gefahren (=chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren) weder funktions- noch einsatzbereit.“

Das soll sich ändern. Geprüft werden Schutzräume, Notfallpläne und Warnsysteme. Hilfsorganisationen fordern seit Langem bessere Vorbereitungen für großflächige Krisenlagen. Viele Kommunen stehen dabei jedoch vor großen Herausforderungen. t-online gibt einen Überblick.

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Berlin

Berlin ist Hauptstadt, Regierungssitz und Millionenmetropole, hat aber dennoch kaum nutzbare öffentliche Schutzräume. Nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sind noch vier öffentliche Schutzräume formal dem Zivilschutz gewidmet, insgesamt 4.080 Plätze. Einsatzbereit ist keine Anlage. Der Berliner Senat bestätigt, dass derzeit keine nutzbaren öffentlichen Schutzräume existieren. Wie Berlin im Ernstfall dasteht, lesen Sie hier.

Bunker in der Reinhardtstraße in Berlin (Archivbild): Symbol für Schutzräume, die zwar existieren, aber nicht nutzbar sind. (Quelle: IMAGO/Sabine Gudath/imago)

Sonderfall Ostdeutschland

In ostdeutschen Städten existieren keine öffentlichen Schutzräume. Der Grund: Die bestehenden Schutzräume wurden nach der Wiedervereinigung nicht in das Schutzraumkonzept des Bundes übernommen. „Sie unterlagen daher zu keinem Zeitpunkt der Zivilschutzbindung nach dem Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz“, erklärt eine Sprecherin der Bundesregierung.

Erfurt

In Erfurt gibt es folglich keine aktiven Schutzbauwerke mehr. Nach Angaben der Stadt wurden frühere Schutzräume stillgelegt und könnten nicht reaktiviert werden. Auch private Hausschutzräume seien im Zuge von Sanierungen größtenteils umgebaut worden. Für den Schutz der Bevölkerung im Kriegsfall existieren damit aktuell keine einsatzbereiten Anlagen, sagte ein Sprecher t-online. Die Stadt verfügt zwar über Übersichten möglicher Ausweichorte wie Tiefgaragen, Turnhallen, Schulen oder Messehallen. Ob diese tatsächlich als Schutzräume geeignet wären, sei jedoch bislang nicht geprüft worden.

Erfurt: Ein Polizeifahrzeug fährt über den Fischmarkt, vorbei am Erfurter Rathaus. (Quelle: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/dpa)
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