Prestigedampfer
So opulent speisten Reisende 1929 an Bord der „Bremen IV“
16.09.2026 – 10:11 UhrLesedauer: 2 Min.
Auf Kreuzfahrtschiffen gehören Buffet-Restaurants heutzutage dazu. Vor rund 100 Jahren ging es an Bord deutlich opulenter zu.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war Norddeutscher Lloyd eines der bedeutendsten deutschen Schifffahrtsunternehmen mit Sitz in Bremen. Zur Flotte gehörte auch der prestigeträchtige Passagierdampfer „Bremen IV“, der am 16. Juli 1929 zu seiner Jungfernfahrt von Bremerhaven nach New York aufbrach. Ein Blick ins Archiv zeigt, welches opulente Essen den Passagieren der gehobenen Klasse an Bord zum Abendessen angeboten wurde.
- Vorspeisen: Malossol-Kaviar; Tafelsellerie
- Suppen: Dolgoruki; Tomaten- mit Reis; Kraftbrühe Sévigné
- Fischspeisen: Bachforelle blau; Steinbutt Müllerin Art, mit feinen Kräutern
- Tagesplatte: Hähnchen Maryland
- Zwischengerichte: Grenadins von Junghirsch mit Steinpilzen; gebackene Hammelzunge – frischer Spinat; Kalbsmidder, Bearner Art
- Kalte Platten: Löffelgericht von Ente; Schweinsrippchen in Aspik
- Braten: Steyrischer Kapaun; Fasan; Rindsrücken
- Vom Rost: Rindslendensteak; Kalbsniere auf Toast
- Salate: Lattich-, Tomaten-, Escarole
- Gemüse: Eierpflanzen mexikanisch; Pastinaken, Haushofmeister Art; Steinpilze in Rahm; Spargel holländisch; Morcheln; Maiskrapfen; Kernbohnen; gedämpfter Reis
- Kartoffeln: Gebackene; französische Brat-; Herzogin-; Maire; Haschee- in Rahm
- Süßspeisen: Nubier-Torte; Pudding Sans-Souci; kalifornische Birnen; Fleurette-Eisbombe; Nesselrode-Gefrorenes; Kirschen-Kompott
Außerdem wurden verschiedene Käsesorten, Pumpernickel, Bent’s Biskuits, Früchte der Jahreszeit, Nüsse und Rosinen, Mokka, und Mokka Hag angeboten.
Seereisen wurden zur „Parallelwelt des grauen Alltags“
Manche Speisen klingen heutzutage rätselhaft. Hinter der Nubier-Torte verbirgt sich beispielsweise ein schokoladiger Kuchen mit Mandeln. Bei den Eierpflanzen mexikanisch handelt es sich um Auberginen. Kalbsmidder ist eine alte Bezeichnung für Kalbsbries. Und hinter Nesselrode-Gefrorenes steckt ein Maroneneis mit Früchten und Sahne. Historische Rezepte dafür enthalten unter anderem Mandeln, kandierte Zitrusschalen und Rosinen.
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Die luxuriöse Speisekarte verbildlicht, wie Reedereien ab etwa 1900 für eine neue Reisekultur auf See warben: „Das Schiff wurde zum Ort des Vergnügens, zum Sinnbild der romantischen Seereise, zur Parallelwelt des grauen Alltags und Treffpunkt einer illustren Gesellschaft stilisiert. Dazu gehörte auch der gehobene Service an Bord mitsamt opulenter Mahlzeiten, auf die besonderes Augenmerk gelegt wurde“, teilt das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven mit.
Überfahrt nach New York hatte damals Luxuspreise
Die Reihenfolge der Speisen orientierte sich an der französischen Tradition. In den unteren Klassen an Bord war das kulinarische Angebot nicht so ausschweifend. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum vermutet, dass die Mahlzeiten ein Highlight für sich waren. So nahmen viele Reisende die Speisekarten als Erinnerung mit nach Hause.
Eine Überfahrt nach New York war damals purer Luxus: Tickets für die gehobene Klasse der „Bremen IV“ kosteten 1929 mindestens 315 Dollar – umgerechnet waren das rund 1.320 Reichsmark.
