Alternativ hält Dörnath es auch für möglich, dass der Wal von einem Tanker gerammt wurde und in der Folge gestorben sei. Sie erklärte: „Schließlich gehört der Ort seines Aussetzens ja zu den verkehrsreichsten und am dichtesten befahrenen Schifffahrtswegen der Welt.“ Da bisher noch nicht über äußere Verletzungen des Wals berichtet wurde, sei dieses Szenario aber unwahrscheinlich.

Auch wenn verschiedene Szenarien möglich seien, sei eins sicher: „Ertrinken ist eine Todesart, bei der das Lebewesen mit starkem Leiden und großer Angst verendet.“

„Das Wichtigste wäre, in den Magen des Tieres hineinzuschauen“

Der Meeresbiologe und Wal-Experte Fabian Ritter rechnet beim Obduktionsergebnis mit keinen Überraschungen. Er sagte t-online: „Man muss das Gesamtbild betrachten. Die Todesursache ist eine viele Wochen währende Odyssee mit fünfmaliger Selbststrandung. Bei der ersten Strandung hatte sein Todeskampf schon angefangen.

Er ergänzte: „Alles, was danach passierte, hat dem Wal sicher nicht gutgetan – ganz im Gegenteil. Die zuletzt angestrengte ‚Rettungsaktion‘ war vermutlich das i-Tüpfelchen, was ihn weiter geschwächt und gestresst hat. Insofern kann sie in keiner Weise als ‚Rettung‘ bezeichnet werden.“

Auch das Deutsche Meeresmuseum aus Stralsund äußert sich ähnlich. Sprecherin Almut Neumeister sagte t-online: „Da der Buckelwal bereits einige Zeit tot ist, sind äußere Verletzungen nicht mehr eindeutig erkennbar.“ Vermutlich seien auch die Organe des Buckelwals inzwischen so stark beschädigt, dass eine Analyse nur noch begrenzt möglich sei.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus: Fabian Ritter wirft dem Minister Doppelmoral vor. (Quelle: Christopher Hirsch/dpa/dpa-bilder)

Trotzdem gebe es noch offene Fragen. Fabian Ritter betonte: „Das Wichtigste wäre, in den Magen des Tieres hineinzuschauen, um festzustellen, ob sich darin etwa noch Netzreste befinden.“ So ein Befund würde auch die Frage nach der politischen Verantwortung der Walstrandung noch einmal aus einer anderen Perspektive stellen.

Ritter führte aus: „Bei Minister Backhaus ist eine gewisse Doppelzüngigkeit festzustellen. Er sträubt sich weiter gegen ein Stellnetzverbot innerhalb von Meeresschutzgebieten – obwohl er sich jetzt vor die Mikrofone stellt und nach mehr Meeresschutz ruft. Er appelliert und gleichzeitig macht seine Politik das komplette Gegenteil.“

Almut Neumeister vom Meeresmuseum in Stralsund kritisierte den Minister: „Durch die Duldung der Privatinitiative zur Lebendbergung ist eine unabhängige, forensische Obduktion des Tieres erforderlich.“

Share.
Exit mobile version