Wie reagieren jetzt die Behörden?
Sie versuchen, sich einen Überblick über die veröffentlichten Daten zu verschaffen. „Derzeit führen die Sicherheitsbehörden eine intensive Datenprüfung durch“, teilte der Berliner Senat am Freitagabend mit. „Auch IT-Forensiker im Auftrag des Landes Berlin untersuchen die veröffentlichten Daten mit Hochdruck.“ Daraus würden „die entsprechenden Maßnahmen abgeleitet“ – was das konkret heißt, blieb offen. Das Land kündigte aber an: Wenn einzelne Betroffene identifiziert werden, würden diese „risikobasiert und entsprechend der gesetzlichen Vorgaben“ informiert.
Das Bundesinnenministerium teilte auf Anfrage mit, dass auch Bundesbehörden das Land Berlin bei der Auswertung unterstützen – namentlich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz. Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte, Datensysteme des Bundes seien nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen.
Eine Sprecherin des operativen Führungskommandos der Bundeswehr verwies auf die laufende Auswertung durch die zuständigen Sicherheitsbehörden und kündigte an, nach Analyse potenzieller Sicherheitsrisiken würden entsprechende Maßnahmen zur Wahrung der militärischen Sicherheit eingeleitet. „Zwischen den beteiligten Behörden erfolgt ein kontinuierlicher Informationsabgleich, auch über das Nationale Cyberabwehrzentrum.“
Welche Gefahren birgt die Veröffentlichung?
Sollte sich bestätigen, dass unter den Daten sicherheitsrelevante Informationen sind, könnten diese theoretisch von fremden Mächten oder Terroristen für ihre Zwecke ausgenutzt werden. Informationen zu kritischen Infrastrukturen, Unternehmen und Organisationen könnten je nach Sensibilität der Daten eine Erhöhung der Bedrohungslage bewirken, warnt das BSI.
Mit Blick auf personenbezogene Daten weist Jochim Selzer vom Chaos Computer Club auf die Gefahr von Identitätsdiebstahl hin. „Je mehr ich über eine Person weiß, desto genauer kann ich mich als diese Person ausgeben, desto genauer kann ich auch einschätzen, was ich von dieser Person wissen muss, zum Beispiel, um in ihrem Auftrag etwas bestellen zu können.“
Das BSI weist zudem auf eine erhöhte Bedrohung durch gezielte Phishing-Angriffe nach dem Datenabfluss hin. Insbesondere Menschen, die in Kontakt mit betroffenen Personen oder Institutionen standen, sollten deshalb besonders aufmerksam sein.
Warum gibt es Kritik?
Der IT-Experte Atug wirft dem Land Berlin vor, „grob fahrlässig“ gehandelt und Geheimschutz-Vorgaben nicht eingehalten zu haben. Für die Speicherung und Verarbeitung geheimer Verschlusssache-Unterlagen gebe es sehr strenge und genaue Vorschriften sowie mehrere Sicherheitsstufen. Offenbar seien diese nicht ausreichend angewandt worden.
Die Gewerkschaft der Polizei in Berlin zeigte sich mit Blick auf die Vorgänge konsterniert. „Er hat Berlins Politik einmal mehr deutlich vor Augen geführt, dass hier über Jahre gepennt wurde“, sagte GdP-Landesvize Thorsten Schleheider. „Es kann nicht sein, dass hier tagelang hochsensible Daten geraubt wurden und die einzige Reaktion scheinbar darin besteht, die Beschäftigten anzuweisen, ihre Passwörter zu ändern.“ Das zeuge schon von einer gewissen Hilflosigkeit.
